Angebinde
1790Ein ehrend Kleinod möcht′ ich gern Dir geben, Möcht Dir so gern, wie ich Dich liebe, zeigen; Doch arm bin ich und nenne nichts mein eigen; Was zierlich sonst und reich das heitre Leben
Mit frischem Glanz und Schimmer mag umschweben, Es steht mir fern; die frohen Klänge schweigen, Geknickt vom Sturm sich alle Blüthen neigen, Und keine kann ich Dir zum Kranze weben.
Doch Pelikane tränken ihre Jungen Ja mit dem Blut, das warm der Brust entsprungen, Und spenden den verborgnen Quell der Freuden:
So ström′ im Lied der Quell Dir meiner Leiden, Der Qualen Born, er soll sich Dir erschließen! Mein Herzblut ist′s; – laß in den Staub es fließen!
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Interpretation
Das Gedicht "Angebinde" von Joseph Christian von Zedlitz ist ein Liebesgedicht, das die tiefe Zuneigung des lyrischen Ichs zu seinem Gegenüber zum Ausdruck bringt. Der Sprecher möchte seiner Geliebten ein ehrendes Kleinod schenken, um seine Liebe zu zeigen, ist jedoch arm und besitzt nichts, was er ihr geben könnte. Die äußere Schönheit und der Glanz des Lebens stehen ihm fern, und er kann keine Blumenkränze für sie flechten. Das lyrische Ich vergleicht sich mit dem Pelikan, der seine Jungen mit seinem eigenen Blut tränkt. Es möchte seine Leiden und Qualen im Lied preisgeben und seiner Geliebten den Quell seiner Freude schenken. Das Herzblut des Sprechers soll sich ihr erschließen, und er bittet sie, es in den Staub fließen zu lassen. Das Gedicht verdeutlicht die Selbstlosigkeit und Hingabe des lyrischen Ichs, das bereit ist, seine innersten Gefühle und Leiden preiszugeben, um seiner Geliebten seine Liebe zu beweisen. Die Metapher des Pelikans, der seine Jungen mit seinem eigenen Blut nährt, unterstreicht die Intensität und Tiefe der Liebe des Sprechers.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Was zierlich sonst und reich das heitre Leben
- Hyperbel
- Und spenden den verborgnen Quell der Freuden
- Metapher
- Ein ehrend Kleinod möcht′ ich gern Dir geben
- Personifikation
- Geknickt vom Sturm sich alle Blüthen neigen
- Symbolik
- Mein Herzblut ist′s; – laß in den Staub es fließen!
- Vergleich
- Doch Pelikane tränken ihre Jungen