Anekdote
1826Als einst Antagoras, ein Weiser, sich Meeraal′ in seinem Zelt bereitete, Fragt′ ihn Antigonus, der König. »Glaubst Du, Daß auch Homer, indem er Agamemnons Glorreiche Thaten in die Leyer sang, Meeraale kocht′?« – Und glaubst Du, fragte jener, Daß Agamemnon, als im offnen Feld Er seine Herosthaten glorreich häufte, Sich darum kümmert′, ob im Lager jemand Meeraale zubereitet′, oder nicht?
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Interpretation
Das Gedicht "Anekdote" von Friedrich Haug erzählt eine kurze, aber tiefgründige Geschichte, die den Konflikt zwischen geistiger und weltlicher Macht aufzeigt. Der Weise Antagoras bereitet in seinem Zelt einen Meeraal zu, als ihn der König Antigonus nach seiner Meinung fragt, ob Homer, als er die Taten Agamemnons besang, auch Meeraale gekocht habe. Diese Frage zielt darauf ab, die Bedeutung und den Wert der Tätigkeit des Weisen in Frage zu stellen. Antigonus' Frage ist ein Versuch, Antagoras zu provozieren und seine Tätigkeit als unwürdig oder unwichtig darzustellen. Der König suggeriert, dass ein großer Held wie Agamemnon sich nicht mit solchen Dingen beschäftigt hätte, sondern sich ganz auf seine heldenhaften Taten konzentriert hätte. Dies ist ein Angriff auf die geistige Arbeit und den Wert des Wissens. Antagoras kontert mit einer ebenso rhetorischen Frage, die die Logik des Königs auf den Kopf stellt. Er fragt, ob Agamemnon sich darum gekümmert habe, ob im Lager jemand Meeraale zubereitet habe oder nicht. Diese Antwort zeigt, dass auch große Helden auf die Arbeit und das Wissen anderer angewiesen sind und dass geistige Tätigkeiten genauso wichtig sind wie heldenhafte Taten. Das Gedicht endet mit einem Gleichnis, das die Gleichwertigkeit von geistiger und weltlicher Arbeit betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Rhetorische Frage
- »Und glaubst Du, fragte jener, Daß Agamemnon, als im offnen Feld Er seine Herosthaten glorreich häufte, Sich darum kümmert′, ob im Lager jemand Meeraale zubereitet′, oder nicht?«