Andreas Hofer Lied

Julius Mosen

1831

Zu Mantua in Banden Der treue Hofer war. In Mantua zum Tode Führt ihn der Feinde Schar; Es blutete der Brüder Herz, Ganz Deutschland, ach, in Schmach und Schmerz! Mit ihm das Land Tirol.

Die Hände auf dem Rücken, Andreas Hofer ging Mit ruhig festen Schritten, Ihm schien der Tod gering; Der Tod, den er so manchesmal Vom Iselberg geschickt ins Thal Im heil′gen Land Tirol.

Doch als aus Kerkergittern Im festen Mantua Die treuen Waffenbrüder Die Händ′ er strecken sah, Da rief er aus: “Gott sei mit euch, Mit dem verrathnen deutschen Reich, Und mit dem Land Tirol!”

Dem Tambour will der Wirbel Nicht unter′m Schlägel vor, Als nun Andreas Hofer Schritt durch das finst′re Thor; - Andreas noch in Banden frei, Dort stand er fest auf der Bastei, Der Mann vom Land Tirol.

Dort soll er niederknien. Er sprach: “Das thu ich nit! Will sterben, wie ich stehe, Will sterben, wie ich stritt! So wie ich steh auf dieser Schanz′; Es leb′ mein guter Kaiser Franz, Mit ihm sein Land Tirol!”

Und von der Hand die Binde Nimmt ihm der Korporal; Andreas Hofer betet Allhier zum letzten Mal. Dann ruft er: “Nun, so trefft mich recht! Gebt Feuer! ach, wie schießt ihr schlecht! Ade, mein Land Tirol!”

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Illustration zu Andreas Hofer Lied

Interpretation

Das Gedicht "Andreas Hofer Lied" von Julius Mosen erzählt von den letzten Stunden des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer, der von den Bayern nach Mantua gebracht und zum Tode verurteilt wurde. Es schildert seinen heldenhaften Gang zum Hinrichtungsplatz, bei dem er trotz der Fesseln an den Händen und der bedrohlichen Situation seine Standhaftigkeit und Treue zu seinem Kaiser und seiner Heimat Tirol bewahrt. Das Gedicht vermittelt die Trauer und den Schmerz der deutschen Brüder über das Schicksal Hofers und die Schmach, die über ganz Deutschland hereingebrochen ist. Die Verse beschreiben, wie Hofer mit ruhigen und festen Schritten dem Tod entgegentritt, als sei er ihm gering. Er erinnert sich an die Schlachten, die er auf dem Iselberg geschlagen hat, und an die vielen Feinde, die er ins Tal geschickt hat. Als er aus dem Gefängnisfenster seine treuen Waffenbrüder sieht, die ihm die Hände entgegenstrecken, ruft er ihnen zu: "Gott sei mit euch, mit dem verrathenen deutschen Reich und mit dem Land Tirol!" Diese Szene verdeutlicht die Verbundenheit Hofers mit seinen Kameraden und seiner Heimat bis zuletzt. Das Gedicht endet mit der Hinrichtung Hofers. Obwohl er aufgefordert wird, niederzuknien, lehnt er ab und sagt: "Das thu ich nit! Will sterben, wie ich stehe, will sterben, wie ich stritt!" Er betet zum letzten Mal und ruft dann: "Nun, so trefft mich recht! Gebt Feuer! ach, wie schießt ihr schlecht! Ade, mein Land Tirol!" Mit diesen Worten verabschiedet er sich von seiner geliebten Heimat und stirbt als heldenhafter Patriot. Das Gedicht preist Hofers Mut, Treue und Opferbereitschaft und macht ihn zu einem Symbol des Tiroler Widerstands gegen die bayrische Besatzung.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Mit ruhig festen Schritten
Anapher
Mit ihm das Land Tirol
Metapher
Gebt Feuer! ach, wie schießt ihr schlecht!
Personifikation
Andreas Hofer betet