Andenken

Sophie Friederike Brentano

1770

Athmet von Lüftchen bewegt, die Linde mit stillem Gesäusel, Wähn’ ich, es beb’ um mich, leise dein zärtlicher Laut. Seh’ ich von fern ein Gewand, an Farbe ähnlich dem deinen, Zuckt mir ein lieblicher Schreck schauernd durch Mark und Gebein. Zeichnet mit Rosengewölk der Tag die beginnende Laufbahn, Stralet der Äther so blau, denk’ ich: es wäre wohl schön, Heut’ in der freien Natur, in himmlisch blühenden Lauben Frölich beisammen zu seyn, ach! mit dem lieblichen Freund! Dämmert der Abend so mild, und wandelt durch duftige Wolken Ihren Geliebten zu sehn, Luna, mit thauigem Blick, Schimmern die Sterne herab, in schweigender, ewiger Klarheit, Tauch’ ich mich, einsam und still, gern in die Kühlung der Nacht, Denke deiner, bewegt, und seufze mit liebender Sehnsucht: Wehet, ihr Lüfte, o weht seine Gedanken mir zu! Sieh’, es umringet mich so dein Bild in lieblichen Träumen, Bist du dem Auge gleich fern, ewig dem Herzen doch nah. Seliger Ahnung getreu, liebt dich die Freundinn in Allem, Wie sie, in schönerer Zeit, Alles einst liebte in dir.

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Illustration zu Andenken

Interpretation

Das Gedicht "Andenken" von Sophie Friederike Brentano ist eine poetische Reflexion über die Sehnsucht nach einem geliebten Menschen. Die Natur dient als Spiegel der inneren Gefühle der lyrischen Ich. Im ersten Teil des Gedichts beschreibt die Sprecherin, wie sie durch sanfte Winde und das Rascheln der Linde an den geliebten Menschen erinnert wird. Die Natur wird zu einem Medium, das die Erinnerungen und Emotionen hervorruft. Die Erwähnung eines fernen Gewandes, das an die Farbe des Geliebten erinnert, symbolisiert die tiefe Verbundenheit und das Verlangen nach Nähe. Im zweiten Teil des Gedichts setzt sich die Sehnsucht fort, während die Sprecherin die Schönheit des Tages und der Natur bewundert. Der blaue Äther und die blühenden Lauben werden als ideale Orte für ein gemeinsames Glück mit dem Geliebten vorgestellt. Die Abenddämmerung und der Anblick des Mondes und der Sterne verstärken das Gefühl der Einsamkeit und der Sehnsucht. Die Sprecherin taucht in die Kühle der Nacht ein und denkt an den Geliebten, während sie sich nach dessen Gedanken sehnt. Der letzte Teil des Gedichts offenbart die tiefe emotionale Verbindung, die die Sprecherin zum Geliebten empfindet. Obwohl der Geliebte dem Auge fern ist, bleibt er dem Herzen nahe. Die Sprecherin drückt ihre ewige Liebe und Sehnsucht aus und hofft, dass der Wind die Gedanken des Geliebten zu ihr tragen wird. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass die Liebe des Geliebten in allem gegenwärtig ist und dass in einer schöneren Zeit alles in ihm geliebt wurde.

Schlüsselwörter

bewegt fern lieblichen athmet lüftchen linde stillem gesäusel

Wortwolke

Wortwolke zu Andenken

Stilmittel

Alliteration
bewegt, die Linde mit stillem Gesäusel
Anapher
Seh' ich von fern ein Gewand, an Farbe ähnlich dem deinen, Zuckt mir ein lieblicher Schreck schauernd durch Mark und Gebein.
Bildsprache
in himmlisch blühenden Lauben
Hyperbel
durch Mark und Gebein
Metapher
Zeichnet mit Rosengewölk der Tag die beginnende Laufbahn
Oxymoron
lieblicher Schreck
Parallelismus
Seh' ich von fern ein Gewand, an Farbe ähnlich dem deinen, Zuckt mir ein lieblicher Schreck schauernd durch Mark und Gebein.
Personifikation
Luna, mit thauigem Blick
Rhetorische Frage
denk' ich: es wäre wohl schön, Heut' in der freien Natur, in himmlisch blühenden Lauben Frölich beisammen zu seyn, ach! mit dem lieblichen Freund!
Symbolik
Sterne herab, in schweigender, ewiger Klarheit
Synästhesie
Dämmert der Abend so mild
Vergleich
an Farbe ähnlich dem deinen
Übertreibung
schauernd durch Mark und Gebein