Anarchie

John Henry Mackay

1864

Immer geschmäht, verflucht - verstanden nie, Bist du das Schreckbild dieser Zeit geworden… Auflösung aller Ordnung, rufen sie, Seist du und Kampf und nimmerendend Morden.

O laß sie schrei’n! - Ihnen, die nie begehrt, Die Wahrheit hinter einem Wort zu finden, Ist auch des Wortes rechter Sinn verwehrt. Sie werden Blinde bleiben unter Blinden.

Du aber, Wort, so klar, so stark, so rein, Das alles sagt, wonach ich ruhlos trachte, Ich gebe dich der Zukunft! - Sie ist dein, Wenn jeder endlich zu sich selbst erwachte.

Kommt sie im Sonnenblick? - Im Sturmgebrüll? Ich weiß es nicht … doch sie erscheint auf Erden! - “Ich bin ein Anarchist!” - “Warum?” - “Ich will Nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden!”

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Illustration zu Anarchie

Interpretation

Das Gedicht "Anarchie" von John Henry Mackay ist eine leidenschaftliche Verteidigung des Anarchismus gegen seine Verleumdung in der Gesellschaft. Der Sprecher beklagt, dass Anarchie stets verflucht und missverstanden wird, zum Schreckbild der Zeit geworden ist. Die Menschen sehen in der Anarchie nur die Auflösung aller Ordnung und endloses Morden, ohne den tieferen Sinn des Wortes zu erkennen. Der Sprecher fordert die Anarchie auf, die schreienden Kritiker zu ignorieren, die blind bleiben werden, da ihnen der rechte Sinn der Worte verwehrt ist. Das Gedicht preist die Anarchie als ein klares, starkes und reines Wort, das alles sagt, was der Sprecher ruhlos anstrebt. Er gibt dieses Wort der Zukunft, in der Hoffnung, dass es Wirklichkeit wird, wenn jeder zu sich selbst erwacht. Die Zukunft, die der Sprecher sich vorstellt, ist ungewiss - sie mag im Sonnenblick oder im Sturmgebrüll kommen. Doch sie wird auf Erden erscheinen. Der Sprecher erklärt sich selbst zum Anarchist, weil er nicht herrschen, aber auch nicht beherrscht werden will. In seiner Interpretation der Anarchie betont Mackay die Freiheit des Individuums und die Ablehnung von Herrschaft und Unterdrückung. Die Anarchie ist für ihn kein Aufruf zu Chaos und Gewalt, sondern ein Streben nach einer Gesellschaft, in der jeder Mensch frei und selbstbestimmt leben kann. Das Gedicht ist eine leidenschaftliche Verteidigung dieser Ideale gegen die Vorurteile und Missverständnisse, die den Anarchismus umgeben. Es ruft dazu auf, über die Oberfläche hinauszublicken und den wahren Sinn der Anarchie zu erkennen - ein Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung für alle.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Immer geschmäht, verflucht - verstanden nie
Hyperbel
Auflösung aller Ordnung
Ironie
Ihnen, die nie begehrt, Die Wahrheit hinter einem Wort zu finden
Metapher
Kommt sie im Sonnenblick? - Im Sturmgebrüll?
Parallelismus
Ich will Nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden
Personifikation
Du aber, Wort, so klar, so stark, so rein