Anacreon

Friedrich von Hagedorn

1754

In Tejos und in Samos Und in der Stadt Minervens Sang ich von Wein und Liebe, Von Rosen und vom Frühling, Von Freundschaft und von Tänzen; Doch höhnt ich nicht die Götter, Auch nicht der Götter Diener, Auch nicht der Götter Tempel, Wie hieß ich sonst der Weise? Ihr Dichter voller Jugend, Wollt ihr bey froher Musse Anacreontisch singen; So singt von milden Reben, Von rosenreichen Hecken, Vom Frühling und von Tänzen, Von Freundschaft und von Liebe; Doch höhnet nicht der Gottheit, Auch nicht der Gottheit Diener, Auch nicht der Gottheit Tempel. Verdienet, selbst im Scherzen, Den Namen echter Weisen.

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Illustration zu Anacreon

Interpretation

Das Gedicht "Anacreon" von Friedrich von Hagedorn ist eine Hommage an den antiken griechischen Dichter Anacreon und dessen Lebensweise. Der Sprecher des Gedichts beschreibt, wie er in verschiedenen Städten wie Teos, Samos und der Stadt der Minerva (vermutlich Athen) über Themen wie Wein, Liebe, Rosen, Frühling, Freundschaft und Tänze gesungen hat. Dabei betont er, dass er die Götter, ihre Diener und Tempel nicht verspottet hat, was ihn zum "Weisen" macht. Das Gedicht richtet sich an junge Dichter, die in ihrer Muße anacreontisch singen möchten. Der Sprecher ermutigt sie, ebenfalls von milden Reben, rosenreichen Hecken, Frühling, Tänzen, Freundschaft und Liebe zu singen. Gleichzeitig warnt er sie davor, die Gottheit, ihre Diener und Tempel zu verspotten. Nur wer auch im Scherzen den Namen echter Weisen verdient, ist ein wahrer Anacreon. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass Friedrich von Hagedorn die Lebensweise des Anacreon als Vorbild für Dichter ansieht. Anacreon wird als weiser Mann dargestellt, der die Freuden des Lebens genießt, aber dabei die religiösen und moralischen Werte nicht außer Acht lässt. Das Gedicht ermutigt junge Dichter, sich an diesem Vorbild zu orientieren und in ihrer Dichtung die Schönheit der Natur und die Freuden des Lebens zu feiern, ohne dabei die Götter und die religiösen Bräuche zu verachten.

Schlüsselwörter

götter gottheit liebe frühling freundschaft tänzen diener tempel

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Von Wein und Liebe, Von Rosen und vom Frühling
Anapher
Von Freundschaft und von Tänzen; Doch höhnt ich nicht die Götter, Auch nicht der Götter Diener, Auch nicht der Götter Tempel
Chiasmus
Auch nicht der Götter Diener, Auch nicht der Götter Tempel
Parallelismus
Von Wein und Liebe, Von Rosen und vom Frühling, Von Freundschaft und von Tänzen
Repetitio
Auch nicht der Götter Diener, Auch nicht der Götter Tempel
Rhetorische Frage
Wie hieß ich sonst der Weise?