An Wera

Rainer Maria Rilke

1922

Dich aber will ich nun, Dich, die ich kannte wie eine Blume, von der ich den Namen nicht weiß, noch ein Mal erinnern und ihnen zeigen, Entwandte, schöne Gespielin des unüberwindlichen Schrei′s.

Tänzerin erst, die plötzlich, den Körper voll Zögern, anhielt, als göß man ihr Jungsein in Erz; trauernd und lauschend -. Da, von den hohen Vermögern fiel ihr Musik in das veränderte Herz.

Nah war die Krankheit. Schon von den Schatten bemächtigt, drängte verdunkelt das Blut, doch, wie flüchtig verdächtigt, trieb es in seinen natürlichen Frühling hervor.

Wieder und wieder, von Dunkel und Sturz unterbrochen, glänzte es irdisch. Bis es nach schrecklichem Pochen trat in das trostlos offene Tor.

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Illustration zu An Wera

Interpretation

Das Gedicht "An Wera" von Rainer Maria Rilke handelt von der Erinnerung an eine Frau namens Wera, die der Dichter wie eine Blume kannte, deren Namen er nicht kennt. Er möchte sie noch einmal erinnern und den anderen zeigen, als eine "Entwandte" und "schöne Gespielin des unüberwindlichen Schreis". Im ersten Teil des Gedichts wird Wera als Tänzerin beschrieben, die plötzlich ihren Körper voller Zögern anhält, als würde man ihr Jungsein in Erz gießen. Sie ist trauernd und lauschend, und von den hohen Vermögern fällt ihr Musik in das veränderte Herz. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt, wie die Krankheit Wera bereits ergriffen hat. Das Blut wird von den Schatten verdunkelt, aber es treibt immer wieder in seinem natürlichen Frühling hervor. Bis es nach schrecklichem Pochen in das trostlose offene Tor tritt. Insgesamt ist das Gedicht eine traurige Erinnerung an eine junge Frau, die an einer Krankheit gestorben ist. Rilke beschreibt ihre Schönheit und Anmut, aber auch die Dunkelheit und den Schmerz, die mit ihrem Tod einhergingen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
trostlos offene Tor
Personifikation
Nah war die Krankheit
Vergleich
als göß man ihr Jungsein in Erz