An Sylvien
1665Was fluchst du/ Sylvia/ wenn meine schwartze hand Um deinen busen spielet? Sie war so weiß als du/ eh’ sie der liebe brand/ Und deine macht gefühlet. Flöstu das feuer nun in meine glieder ein/ So kan ja meine hand nicht schnee und marmel seyn. Du sprichst: Sie hat hier nichts zu suchen und zu thun. Gar recht; Es soll auch bleiben. Sie suchet nichts als dich/ sie wünschet bloß zu ruhn Und ihren schertz zu treiben. Was ursach hast du dann, daß du dich so beklagst? Da du doch diese gunst den flöhen nicht versagst.
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Interpretation
Das Gedicht "An Sylvien" von Benjamin Neukirch thematisiert die erotische Spannung zwischen dem lyrischen Ich und der angesprochenen Sylvien. Der Sprecher beschreibt, wie seine "schwartze Hand" um Sylvies Busen spielt, was bei ihr offenbar Unmut hervorruft. Er weist darauf hin, dass seine Hand einst so weiß war wie ihre, aber durch die Erfahrung der Liebe und ihrer Macht nun dunkler geworden ist. Das Gedicht spielt mit dem Kontrast von Weiß und Schwarz, der sowohl auf die Hautfarbe als auch auf die Reinheit und Leidenschaftlichkeit anspielt. Das lyrische Ich rechtfertigt sich gegen Sylvies Vorwurf, dass seine Hand hier nichts zu suchen habe. Er betont, dass seine Hand nichts anderes suche als sie selbst und sich nur ausruhen und vergnügen wolle. Die Handlung wird als natürlicher und unschuldiger Scherz dargestellt, der nicht zu beanstanden sei. Das Gedicht vermittelt eine spielerische und leichtfüßige Stimmung, in der die körperliche Anziehung und das Verlangen zwischen den beiden Figuren im Mittelpunkt stehen. In der letzten Strophe wendet sich das lyrische Ich direkt an Sylvie und fragt sie, warum sie sich beschwert, wenn sie doch den Flöhen, die auf ihr herumkrabbeln, diese Gunst nicht versagt. Diese ironische und etwas derbe Schlussfolgerung unterstreicht die Doppelmoral und die Heuchelei, die der Sprecher in Sylvies Verhalten zu erkennen glaubt. Das Gedicht endet mit einem Augenzwinkern und einer Herausforderung an Sylvie, ihre eigenen Gefühle und Reaktionen zu überdenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- So kan ja meine hand nicht schnee und marmel seyn
- Personifikation
- Du sprichst: Sie hat hier nichts zu suchen und zu thun
- Rhetorische Frage
- Was ursach hast du dann, daß du dich so beklagst?