An Sylvien, ihren namens-tag

Benjamin Neukirch

1684

Dein edler namens-tag zeigt heute seinen schein; Mir aber meine pflicht/ dich würdig anzubinden; Allein wo soll ich was bey meiner armuth finden/ Weil federn und papier für dich zu wenig seyn? Mein wollen ist zwar groß/ doch mein vermögen klein/ Drum laß mich/ was ich kan/ dir zum geschencke winden: Denn wer die liebe will auff gold und reimen gründen/ Schleust nur viel prahlerey und wenig freundschafft ein. Ich biete dir mein hertz zum opffer selber an/ Mein hertze/ das dich zwar nicht/ schönste/ binden kan; Weil du es schon vorlängst mit ketten angebunden/ Legst du es aber nur zu deinen füssen hin/ So glaube/ daß ich auch in ketten lustig bin; Weil es nach so viel angst doch einen ruh-platz funden.

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Illustration zu An Sylvien, ihren namens-tag

Interpretation

Das Gedicht "An Sylvien, ihren namens-tag" von Benjamin Neukirch thematisiert die bescheidene Gabe des lyrischen Ichs an Sylvien zu ihrem Namenstag. Das lyrische Ich erkennt die Bedeutung dieses Tages an, fühlt sich aber durch seine Armut eingeschränkt und fragt sich, was es Sylvien als würdiges Geschenk bieten kann. Es gesteht ein, dass seine materiellen Mittel begrenzt sind, doch sein Wille, Sylvien zu ehren, ist groß. Das lyrische Ich entscheidet sich, Sylvien sein Herz als Opfer darzubringen, obwohl es sich bewusst ist, dass dieses Herz Sylvien nicht binden kann, da sie es bereits mit Ketten gefesselt hat. Das Gedicht verdeutlicht die tiefe Verbundenheit und Liebe des lyrischen Ichs zu Sylvien, die über materielle Geschenke hinausgeht. Es betont, dass wahre Freundschaft und Liebe nicht auf Gold und Reimen basieren sollten, sondern auf aufrichtigen Gefühlen und Opfern. Das lyrische Ich ist bereit, sich selbst in Ketten zu legen, solange es Sylvien nahe sein kann und einen Ruheplatz in ihrer Gegenwart findet. Abschließend lässt sich sagen, dass das Gedicht die tiefe emotionale Verbundenheit und das selbstlose Opfer des lyrischen Ichs für Sylvien zum Ausdruck bringt. Es zeigt, dass wahre Liebe und Freundschaft nicht von materiellen Gütern abhängen, sondern von der Bereitschaft, sich selbst zu geben und die Bedürfnisse des anderen zu erfüllen. Das Gedicht ist eine Hommage an die bedingungslose Liebe und die tiefe Verbundenheit zwischen zwei Menschen.

Schlüsselwörter

wenig zwar kan viel ketten edler namens tag

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Stilmittel

Alliteration
Viel prahlerey und wenig freundschafft
Bildsprache
Nach so viel angst doch einen ruh-platz funden
Kontrast
Nach so viel angst doch einen ruh-platz funden
Metapher
In ketten lustig bin