An Sophie an ihrem Hochzeitstage
1827War eine Witwe lobesam Die hatte ein Paar Mädchen, Zu ihr ein Paar Studenten kam, Die Würdigsten im Städtchen. Sie waren voll Gelehrsamkeit, Die beiden Herrn Studenten, Und brachten′s endlich mit der Zeit Sogar zum Repetenten.
Der ältste sah die ältste gern; Er zog wohl aus bis Bremen, Doch kam er wieder aus der Fern, Das holde Kind zu nehmen. Der Kleinste sah′s und dachte: so? Er freit? ich kann′s nicht minder; Die kleinere ist nicht von Stroh, Sind beide liebe Kinder.
Da sprach er zu dem altern Herrn Und sagte ohne Schämen: »Du sahst viel Mädchen in der Fern In Preußen und in Bremen, Und doch hast du dein Herz bewahrt, Und kamst zu ihr gelaufen: Gestehe, sind sie guter Art - Die Mädchen der Frau Hauffen?«
Da sprach der Herre hochgelahrt: »Ich rat dir, nimm die Kleine, Sie ist zwar etwas andrer Art Und spitz′ger als die meine, Sie ist gar zart und fein; wenn schon Zuweilen etwas spröde, Hast du den ersten Kuß davon, So ist sie nicht mehr blöde.«
Das Freien ist fürwahr kein Scherz, Es machet viel Beschwerden; Doch faßt der Kleine sich ein Herz, Sagt: »Willst du meine werden?« Sie sagt nicht ja, sie sagt nicht nein, Ist still und stumm gewesen, Doch in der Augen klarem Schein Hat er sein Glück gelesen.
Der Kleinste führt die Kleinste heim, Sie haben sich gefunden, Und aus der Freundschaft zartem Keim Zwei Früchte schön entstunden. Drum endet auch der Hochzeitreim, Den ich für euch gewunden: Es fehlte nur der Liebe Leim, So waren sie gebunden.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An Sophie an ihrem Hochzeitstage" von Wilhelm Hauff erzählt die Geschichte zweier Studenten, die um die Hand zweier Töchter einer Witwe werben. Der ältere Student verliebt sich in die älteste Tochter und kehrt von seinen Reisen zurück, um sie zu heiraten. Der jüngere Student, der ebenfalls Interesse an den Töchtern hat, spricht den älteren Studenten an und erfährt von dessen positiver Erfahrung mit den Mädchen der Frau Hauffen. Der ältere Student rät dem jüngeren, die jüngere Tochter zu nehmen, da sie zwar etwas spröder sei, aber nach dem ersten Kuss sehr liebevoll werden würde. Der jüngere Student fasst sich ein Herz und fragt die jüngere Tochter, ob sie seine Frau werden möchte. Sie antwortet nicht direkt, aber er liest ihre Zustimmung in ihren Augen. Das Paar findet zusammen und ihre Liebe wächst zu einer fruchtbaren Beziehung heran. Das Gedicht endet mit dem Wunsch, dass die Liebe die Verbindung der beiden vollenden möge, da sie bereits durch Freundschaft und Zuneigung verbunden sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- War eine Witwe lobesam
- Direkte Rede
- Da sprach er zu dem altern Herrn Und sagte ohne Schämen: »Du sahst viel Mädchen in der Fern In Preußen und in Bremen, Und doch hast du dein Herz bewahrt, Und kamst zu ihr gelaufen: Gestehe, sind sie guter Art - Die Mädchen der Frau Hauffen?«
- Hyperbel
- Sie waren voll Gelehrsamkeit, Die beiden Herr Studenten
- Ironie
- Das Freien ist fürwahr kein Scherz, Es machet viel Beschwerden
- Kontrast
- Der ältste sah die ältste gern; Er zog wohl aus bis Bremen, Doch kam er wieder aus der Fern
- Metapher
- Und aus der Freundschaft zartem Keim Zwei Früchte schön entstunden
- Personifikation
- Die Würdigsten im Städtchen
- Reimschema
- Das Gedicht folgt einem konsistenten Reimschema, das die Lesbarkeit und den musikalischen Charakter des Textes verstärkt.
- Symbolik
- Es fehlte nur der Liebe Leim, So waren sie gebunden
- Vergleich
- Die kleinere ist nicht von Stroh