An sich selbst

Giacomo Graf Leopardi

1833

Magst nun für immer ruhn, mein müdes Herz. Dahin die äußerste Täuschung, Dass ich mich ewig wähnte. Dahin. Erloschen sind, Ich fühl es, die Hoffnung und das Verlangen Nach milden Täuschungen. Ruh′ nun für immer. Du hast genug Geschlagen. Umsonst dein Aufruhr, die Welt ist deine Seufzer Nicht wert. Bitter und schal ist Das Leben, nichts niemals sonst; und Schlamm die ganze Welt. Beruhige dich nun. Verzweifle Ein letztes Mal. Einzig das Sterben Ist unserem Geschlecht gegeben. Verachte also Dich, die Natur, die böse Macht, die im Verborgenen über gemeines Unglück herrscht, Und die unendliche Eitelkeit aller Dinge.

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Illustration zu An sich selbst

Interpretation

Das Gedicht "An sich selbst" von Giacomo Graf Leopardi ist ein tiefgründiges und melancholisches Werk, das die Resignation und Verzweiflung des lyrischen Ichs zum Ausdruck bringt. Das Gedicht beginnt mit einer Aufforderung an das müde Herz, für immer zur Ruhe zu kommen, was die Erschöpfung und die Enttäuschung des lyrischen Ichs über das Leben verdeutlicht. Die "äußerste Täuschung" bezieht sich auf die Illusion, sich selbst ewig wähnten zu können, was nun als falsch erkannt wird. Die Hoffnung und das Verlangen nach "milderen Täuschungen" sind erloschen, was den Verlust jeglicher positiver Illusionen symbolisiert. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Nutzlosigkeit des Aufruhrs und der Seufzer betont. Die Welt wird als unwürdig angesehen, das Leid des lyrischen Ichs zu beachten. Das Leben wird als bitter und fade beschrieben, und die Welt als Schlamm, was die tiefe Enttäuschung und Verzweiflung des lyrischen Ichs über die Existenz widerspiegelt. Die Aufforderung, sich zu beruhigen und ein letztes Mal zu verzweifeln, unterstreicht die Endgültigkeit der Resignation. Das Gedicht endet mit einer nihilistischen Perspektive, in der das Sterben als das einzige Geschenk an die Menschheit dargestellt wird. Das lyrische Ich fordert sich selbst auf, sich selbst, die Natur und die "böse Macht" zu verachten, die über das gemeinsame Unglück herrscht. Die "unendliche Eitelkeit aller Dinge" verdeutlicht die Überzeugung, dass alles im Leben letztlich sinnlos und eitel ist. Dieses Gedicht ist ein eindringliches Beispiel für Leopardis pessimistische Weltsicht und seine Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz.

Schlüsselwörter

dahin welt magst ruhn müdes herz äußerste täuschung

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Verachte also Dich, die Natur, die böse Macht, die im Verborgenen über gemeines Unglück herrscht, Und die unendliche Eitelkeit aller Dinge.
Apostrophe
Beruhige dich nun. Verzweifle Ein letztes Mal.
Hyperbel
Umsonst dein Aufruhr, die Welt ist deine Seufzer Nicht wert.
Metapher
Bitter und schal ist Das Leben, nichts niemals sonst; und Schlamm die ganze Welt.
Personifikation
Beruhige dich nun. Verzweifle Ein letztes Mal.
Symbolik
Einzig das Sterben Ist unserem Geschlecht gegeben.