An seine Freunde

Leopold von Goeckingk

1821

Hört ihr einst, ich sei gestorben, O! dann spielet auf Theorben Keine Trauermelodie. Ich, der euch im Leben nie Eure Freude hat verdorben: Ich verdürb′ im Sterben sie? Nein! Ihr sollt um mich nicht klagen! Freuen mögt ihr euch, und sagen: »Wohl! Geborgen ist auch der! Und wer gab die Hand wie er Dem Befreier ohne Zagen? Darum klatschet hinterher!« Dann so holt aus meinem Keller Die paar Flaschen Muskateller, Aufgespart für euch, heraus, Trinkt, als wär′ ich noch zu Haus, Sie auf meinem Lieblingssöller Mit einander fröhlich aus. Und erinnert euch der Zeiten, Wo beim Klange süßer Saiten Meine Laun′, im Vogelflug′, Mich von Scherz zu Scherze trug. Stunden, die mich nicht gereuten, Als der Tod nun sprach: Genug! Lasst von mir die Leute sprechen, Was sie wollen; von Verbrechen War mein ganzes Leben rein, Und so darf man Mensch nur sein, Um auch mir so manche Schwächen Nach dem Tode zu verzeihn. Meine Lieder tadeln hören, Soll nicht eure Ruhe stören. Nie verschwand noch ein Gesang, Den ein reiner Geist durchdrang. Nichts, wenn meine den entbehren, Rettet sie vom Untergang′.

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Illustration zu An seine Freunde

Interpretation

Das Gedicht "An seine Freunde" von Leopold von Goeckingk ist ein bewegendes Abschiedsgedicht, das den Wunsch des lyrischen Ichs zum Ausdruck bringt, von seinen Freunden nicht betrauert, sondern in fröhlicher Erinnerung gehalten zu werden. Der Sprecher bittet seine Freunde, keine traurigen Melodien zu spielen und sich nicht zu beklagen, sondern sich stattdessen über sein Leben zu freuen und seine Taten zu würdigen. Er möchte, dass sie auf sein Leben anstoßen und sich an die schönen Zeiten erinnern, die sie gemeinsam verbracht haben. Das Gedicht zeigt auch den Wunsch des Sprechers nach Vergebung und Verständnis. Er betont, dass sein Leben frei von Verbrechen war und dass er menschliche Schwächen hatte, die nach seinem Tod verziehen werden sollten. Er möchte, dass seine Freunde seine Lieder nicht kritisieren und dass sein Werk weiterhin Bestand hat, auch wenn er nicht mehr da ist. Insgesamt ist das Gedicht eine eindringliche Aufforderung an die Freunde, das Leben des Sprechers zu feiern und sich an die schönen Momente zu erinnern, anstatt zu trauern. Es ist ein Ausdruck des Wunsches nach einem positiven Vermächtnis und der Hoffnung, dass die Erinnerung an das Leben des Sprechers auch nach seinem Tod weiterleben wird.

Schlüsselwörter

leben nie hört einst gestorben spielet theorben keine

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Stunden, die mich nicht gereuten
Anapher
Und wer gab die Hand wie er Dem Befreier ohne Zagen? Darum klatschet hinterher!
Apostroph
Hört ihr einst, ich sei gestorben
Hyperbel
Und wer gab die Hand wie er Dem Befreier ohne Zagen?
Ironie
Hört ihr einst, ich sei gestorben, O! dann spielet auf Theorben Keine Trauermelodie.
Kontrast
Meine Lieder tadeln hören, Soll nicht eure Ruhe stören.
Metapher
Ich, der euch im Leben nie eure Freude hat verdorben: Ich verdürb im Sterben sie?
Paradox
Ich, der euch im Leben nie eure Freude hat verdorben: Ich verdürb im Sterben sie?
Personifikation
Als der Tod nun sprach: Genug!
Rhetorische Frage
Ich, der euch im Leben nie eure Freude hat verdorben: Ich verdürb im Sterben sie?
Symbolik
Die paar Flaschen Muskateller, Aufgespart für euch, heraus