An Phillis

Johann Nikolaus Götz

1760

Ich merke, daß die Flur, die Stadt, die ganze Welt, Mir itzo wiederum, auch ohne dich, gefällt; Ich höre dich nicht mehr, wie sonst, erröthend nennen, Und kann mich überall, gelaßen, von dir trennen. Ich glühe Tags nicht mehr, dir immer nachzuziehn; In Träumen seh ich dich auch Nachts nicht mehr entfliehn. Kein Blick von dir findt mehr den Weg zu meinem Herzen; Dein Lächeln macht mir nicht, wie vormahls, süse Schmerzen. Ich bin kein König mehr, ertheilstu mir Gehör; Und glaube, Phillis, fast: ich liebe dich nicht mehr.

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Illustration zu An Phillis

Interpretation

Das Gedicht "An Phillis" von Johann Nikolaus Götz beschreibt den Prozess des Liebenden, sich von seiner Geliebten Phillis zu lösen. Der Sprecher stellt fest, dass ihm die Welt, die Stadt und die Felder auch ohne sie wieder gefallen, was auf eine emotionale Distanzierung hindeutet. Er erwähnt, dass er sie nicht mehr erröten hört und sich überall von ihr trennen kann, was auf ein Nachlassen der emotionalen Bindung schließen lässt. Der Sprecher beschreibt weiter, wie er sich nicht mehr danach sehnt, ihr nachzujagen oder in Träumen von ihr zu träumen. Der Blick von Phillis findet nicht mehr den Weg zu seinem Herzen, und ihr Lächeln verursacht nicht mehr die süßen Schmerzen, die es einst tat. Dies verdeutlicht den Verlust der intensiven Gefühle, die er einst für sie empfand. Im letzten Vers gesteht der Sprecher, dass er sich nicht mehr wie ein König fühlt, wenn Phillis ihm Gehör schenkt, und dass er fast glaubt, sie nicht mehr zu lieben. Diese abschließende Aussage markiert den Höhepunkt seiner emotionalen Distanzierung und deutet auf das Ende seiner Liebe zu Phillis hin.

Schlüsselwörter

mehr kein merke flur stadt ganze welt itzo

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Stilmittel

Gegenüberstellung
Ich merke, daß die Flur, die Stadt, die ganze Welt, Mir itzo wiederum, auch ohne dich, gefällt;
Kontrast
Kein Blick von dir findt mehr den Weg zu meinem Herzen; Dein Lächeln macht mir nicht, wie vormahls, süse Schmerzen.
Metapher
Ich bin kein König mehr, ertheilstu mir Gehör;
Parallelismus
Ich glühe Tags nicht mehr, dir immer nachzuziehn; In Träumen seh ich dich auch Nachts nicht mehr entfliehn.
Wiederholung
Ich höre dich nicht mehr, wie sonst, erröthend nennen