An Pfingsten
1777Sey mir gesegnet, Du, den Menschenliebe Beim schweren Amte unterstützt mit Kraft, Du, der im Chaos dumpf verworrner Triebe, Des Geistes Leben väterlich erschafft.
In nimmer aufgehellten Finsternissen Erweckst Du milde der Erkenntniss Strahl, Und linderst sanft durch Unterricht und Wissen Der Sprache Mangel und der Taubheit Qual.
O fahre fort! - Es ziemte eine Krone Zum wohlverdienten Schmucke Deinem Haupt, Doch heil′ger ist der Kranz, der ihn umlaubt. Er welket nie, denn Deine Thaten leben, Und Dein Bewusstseyn und Dein reines Streben Vereinigen sich schon zum höchsten Lohne.
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Interpretation
Das Gedicht "An Pfingsten" von Charlotte von Ahlefeld ist ein Lobgedicht auf einen Lehrer oder Erzieher, der mit Liebe und Hingabe seine Aufgabe erfüllt. Die Autorin preist die Fähigkeit des Lehrers, im Chaos der menschlichen Triebe den Geist des Menschen zu erschaffen und zu nähren. Sie beschreibt, wie der Lehrer im Dunkeln der Unwissenheit das Licht der Erkenntnis erweckt und durch Unterricht und Wissen die Qualen der Sprachlosigkeit und Taubheit lindert. Die Autorin fordert den Lehrer auf, weiterhin seine wichtige Arbeit fortzusetzen. Sie betont, dass eine Krone als Belohnung für seine Verdienste zwar angemessen wäre, aber dass ein heiligerer Kranz, der seinen Kopf umgibt, noch wertvoller ist. Dieser Kranz welkt nie, denn die Taten des Lehrers leben weiter. Das Bewusstsein und das reine Streben des Lehrers vereinen sich bereits zu dem höchsten Lohn, den er erhalten kann. Das Gedicht ist ein Ausdruck der tiefen Dankbarkeit und Bewunderung für die selbstlose Arbeit von Lehrern und Erziehern. Es betont die Bedeutung ihrer Rolle bei der Formung junger Geister und der Förderung von Wissen und Verständnis. Die Autorin hebt auch die spirituelle Dimension dieser Arbeit hervor, indem sie den Lehrer mit einer göttlichen Figur vergleicht, die das Leben des Geistes erschafft und nährt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Er welket nie, denn Deine Thaten leben
- Metapher
- Und Dein Bewusstseyn und Dein reines Streben / Vereinigen sich schon zum höchsten Lohne
- Personifikation
- Du, der im Chaos dumpf verworrner Triebe, / Des Geistes Leben väterlich erschafft.