An Pauline
1792Zwar von stolzen Haargeflechten Ist mir jüngst ein Wort entfahren; Doch mit deinen blonden Haaren, Liebes Kind! will ich nicht rechten.
Von der ächten deutschen Farbe, In so schön gewundnen Glocken Senken sich die goldnen Locken Reich, wie unsrer Felder Garbe;
Wallen um die Schultern lieblich, Ach! das will von Stolz nicht sagen; Sicher war′s in alten Tagen So bei deutschen Frauen üblich!
Dazu, liebes frommes Mühmchen!- (Was errötest du so züchtig?) Leuchten blauvergißmeinnichtig Deine Äuglein, wie ein Blümchen.
So voll Demut ist ihr Lächeln, Jede Locke muss bescheiden, Selbst die stolzeste, dich kleiden, Dienstbar immer dich umfächeln.
Endlich, wenn dein Mund gesprochen, Wenn aus der geweihten Stille Nun die ganze Rosenfülle Deiner Lippen aufgebrochen:
Wenn sich zu den sanften Tönen Jetzt dein Haupt beginnt zu regen, Sich die Locken mitbewegen, Dein Bejahen hold verschönen -
Nein! den süßen Haargeflechten Soll kein Tadel widerfahren! Mit so schönen blonden Haaren Wahrlich! wäre schwer zu rechten!
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Interpretation
Das Gedicht "An Pauline" von Gustav Benjamin Schwab ist eine Lobpreisung der blonden Haare und blauen Augen des Mädchens Pauline. Der Sprecher verteidigt ihre "stolzen Haargeflechte" gegen mögliche Kritik und preist ihre Schönheit. Im ersten Teil des Gedichts betont der Sprecher, dass er mit Paulines blonden Haaren nicht hadern will. Er vergleicht ihre goldenen Locken mit einer Garbe auf einem Feld und stellt fest, dass es in früheren Zeiten bei deutschen Frauen üblich war, so schöne Haare zu haben. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich der Sprecher direkt an Pauline und nennt sie ein "frommes Mühmchen". Er lobt ihre blauen Augen, die wie ein Blümchen leuchten, und betont ihre Demut und Bescheidenheit. Der Sprecher sagt, dass selbst die stolzesten Locken sie kleiden und umfächeln, als wären sie ihr dienstbar. Im letzten Teil des Gedichts beschreibt der Sprecher, wie Paulines Mund spricht und ihre Lippen sich öffnen. Er erwähnt, wie sich ihr Kopf und ihre Locken bewegen, wenn sie zustimmt, und betont erneut, dass ihre "süßen Haargeflechte" kein Tadel widerfahren soll. Der Sprecher schließt mit der Aussage, dass es wahrlich schwer wäre, mit so schönen blonden Haaren zu hadern.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Stolze Haargeflechten
- Hyperbel
- Nun die ganze Rosenfülle
- Metapher
- Reich, wie unsrer Felder Garbe
- Personifikation
- Selbst die stolzeste, dich kleiden
- Symbolik
- goldnen Locken
- Vergleich
- Leuchten blauvergißmeinnichtig