An Neunundneunzig von Hundert!
1929Ihr schwatzt befrackt hoch vom Katheder Von alter und von neuer Kunst, Von Fleischgenuß und Sinnenbrunst, Und gerbt nur Leder, altes Leder!
Ihr laßt um jede Attitüde Ein weißgewaschnes Hemdchen wehn, Denn um die Schönheit nackt zu sehn, Sind eure Seelen viel zu prüde!
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Interpretation
Das Gedicht "An Neunundneunzig von Hundert!" von Arno Holz kritisiert die akademische Kunstwelt und ihre Vertreter. Holz wirft den Professoren und Kunstlehrern vor, sich in theoretischen Diskussionen zu verlieren, ohne tatsächlich kreativ zu sein. Sie reden viel über alte und neue Kunst, über sinnliche Genüsse und Leidenschaften, aber ihre Arbeit bleibt oberflächlich und uninspiriert, verglichen mit dem Gerben von altem Leder. Der Dichter wirft den Kunstlehrern Heuchelei vor. Sie umgeben ihre künstlerischen Haltungen mit einem Schleier der Anständigkeit, symbolisiert durch das "weißgewaschnes Hemdchen", um die wahre Schönheit zu verbergen. Holz deutet an, dass ihre Seelen zu prüde sind, um die nackte, ungeschminkte Schönheit der Kunst zu erkennen und zu schätzen. Das Gedicht ist eine scharfe Kritik an der künstlerischen Establishment und fordert zu einer authentischeren und weniger verklemmten Herangehensweise an die Kunst auf.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Von alter und von neuer Kunst
- Metapher
- Sind eure Seelen viel zu prüde!
- Personifikation
- Ihr laßt um jede Attitüde Ein weißgewaschnes Hemdchen wehn