An Neuffer

Friedrich Hölderlin

1843

Noch kehrt in mich der süße Frühling wieder, Noch altert nicht mein kindisch fröhlich Herz, Noch rinnt vom Auge mir der Thau der Liebe nieder Noch lebt in mir der Hoffnung Lust und Schmerz.

Noch tröstet mich mit süßen Augenwinken Der blaue Himmel und die grüne Flur, Mir reicht die Göttliche den Taumelkelch der Freude. Die jugendliche freundliche Natur.

Getrost, es ist der Schmerzen werth, dies Leben, So lang uns Armen Gottes Sonne scheint, Und Bilder beßrer Zeit um unsre Seele schweben, Und, ach, mit uns ein treues Auge weint.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu An Neuffer

Interpretation

Das Gedicht "An Neuffer" von Friedrich Hölderlin ist ein Loblied auf die Schönheit und den Reichtum des Lebens, das sich in den Zeilen entfaltet. Hölderlin besingt die ungebrochene Frische seiner Seele, die trotz der Vergänglichkeit der Zeit noch immer von jugendlicher Fröhlichkeit und Liebe erfüllt ist. Der Frühling, als Symbol für Neubeginn und Wachstum, kehrt in ihm wieder und lässt ihn die Freuden und Schmerzen der Hoffnung intensiv erleben. Diese lebendige Verbindung zur Natur und zu den göttlichen Kräften, die ihm den Kelch der Freude reichen, verleiht seinem Dasein eine tiefe Bedeutung und einen unerschütterlichen Lebensmut. In der zweiten Strophe wendet sich Hölderlin der tröstenden Kraft der Natur und des Göttlichen zu. Der blaue Himmel und die grüne Flur spenden ihm Trost durch ihre bloße Existenz und ihre Schönheit. Die Natur erscheint als eine göttliche Instanz, die ihm die Möglichkeit gibt, die Freuden des Lebens in vollen Zügen zu genießen. Diese Verbindung zur Natur und zum Göttlichen verleiht ihm die Kraft, die Herausforderungen des Lebens zu meistern und die Schönheit in jedem Moment zu erkennen. Abschließend betont Hölderlin, dass das Leben trotz aller Schmerzen und Schwierigkeiten wertvoll und erstrebenswert ist. Solange die Sonne scheint und die Bilder einer besseren Zeit um die Seele schweben, ist das Leben voller Hoffnung und Möglichkeiten. Die Anwesenheit eines treuen Auges, das mit ihm weint, symbolisiert die Empathie und die Verbundenheit mit anderen, die das Leben bereichern und ihm einen tieferen Sinn geben. In diesem Sinne ist das Leben ein Geschenk, das es zu schätzen und zu bewahren gilt.

Schlüsselwörter

auge kehrt süße frühling altert kindisch fröhlich herz

Wortwolke

Wortwolke zu An Neuffer

Stilmittel

Alliteration
Süße Frühling, süßen Augenwinken
Bildsprache
Die Bilder beßrer Zeit um unsre Seele schweben
Hyperbel
Noch kehrt in mich der süße Frühling wieder
Kontrast
Die Hoffnung Lust und Schmerz
Metapher
Der blaue Himmel und die grüne Flur trösten mit süßen Augenwinken
Parallelismus
Noch altert nicht mein kindisch fröhlich Herz, Noch rinnt vom Auge mir der Thau der Liebe nieder
Personifikation
Die Göttliche reicht den Taumelkelch der Freude
Symbolik
Der blaue Himmel und die grüne Flur als Symbole der Natur