An mich

Frank Wedekind

1864

Wenn dir ein Schaden am Leibe frißt, Jammre nicht, sondern handle; Und wenn du glücklich gewesen bist, Nimm dein Bett und wandle.

Ärgert dein Aug dich, so reiß es aus, Sonst ärgert es dich an beiden; Und keift dir ein schlimmes Weib zu Haus, So geh und lasse dich scheiden.

Und wird dir das Beten und Fasten zu dumm, Richte, schlichte, verzichte; Und haranguiere das Publikum Nicht erst durch Weltschmerzgedichte.

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Illustration zu An mich

Interpretation

Das Gedicht "An mich" von Frank Wedekind ist eine kraftvolle Selbstermahnung, die den Leser dazu aufruft, aktiv und entschlossen zu handeln, anstatt sich in Selbstmitleid oder Untätigkeit zu verlieren. Wedekind betont die Wichtigkeit, Probleme direkt anzugehen, sei es physischer Natur oder emotionaler Art. Der erste Vers legt nahe, dass man nicht jammern sollte, wenn man körperliche Schmerzen hat, sondern stattdessen handeln muss. Dies wird durch die Aufforderung, "dein Bett zu wandeln", verstärkt, was als Symbol für Veränderung und Fortschritt interpretiert werden kann. Im zweiten Teil des Gedichts geht Wedekind auf persönliche Konflikte und Beziehungen ein. Er rät dazu, sich von Dingen oder Personen zu trennen, die einem Schaden oder Leid zufügen. Die drastische Metapher, ein Auge auszureißen, wenn es einen ärgert, unterstreicht die Notwendigkeit, sich von schädlichen Einflüssen zu befreien. Ebenso wird die Trennung von einem unglücklichen Ehepartner als Lösung für häusliche Probleme vorgeschlagen. Diese radikalen Vorschläge betonen Wedekinds Glauben an die Notwendigkeit entschlossenen Handelns zur Verbesserung der eigenen Lebensumstände. Schließlich kritisiert Wedekind in den letzten Versen die Tendenz, sich in spirituellen oder intellektuellen Beschäftigungen zu verlieren, die keine konkreten Ergebnisse bringen. Er fordert den Leser auf, sich auf praktische Tätigkeiten zu konzentrieren und sich nicht in nutzlosem Philosophieren oder dem Verfassen von "Weltschmerzgedichten" zu ergehen. Dies spiegelt Wedekinds pragmatische Weltsicht wider, die konkrete Handlungen über abstrakte Gedanken stellt. Insgesamt ist das Gedicht eine eindringliche Aufforderung, das Leben aktiv zu gestalten und sich nicht von Schwierigkeiten oder existenziellen Fragen lähmen zu lassen.

Schlüsselwörter

ärgert schaden leibe frißt jammre handle glücklich gewesen

Wortwolke

Wortwolke zu An mich

Stilmittel

Appell
Richte, schlichte, verzichte
Direkte Ansprache
Und keift dir ein schlimmes Weib zu Haus
Hyperbel
Ärgert dein Aug dich, so reiß es aus, Sonst ärgert es dich an beiden
Imperativ
Wenn dir ein Schaden am Leibe frißt, Jammre nicht, sondern handle; Und wenn du glücklich gewesen bist, Nimm dein Bett und wandle.
Metaphorik
Wenn dir ein Schaden am Leibe frißt
Rhetorische Frage
Und wird dir das Beten und Fasten zu dumm
Warnung
Und haranguiere das Publikum Nicht erst durch Weltschmerzgedichte