An Melinden

Benjamin Neukirch

1718

Schönste der seelen / ich muß es bekennen: Daß mich dein augen-blitz endlich besiegt / Daß ich vor liebe wie feuer muß brennen; Weil mir mein herze selbst wunden zufügt; Und wieder mich kriegt. Drum setze mir / o meine zier! Die schaalen der himmlischen lebens-krafft für / Und laß mir die morgen Der traurigen sorgen / Die täglich in meinen gedancken entstehn / Mit rosen auffgehn.

Zwar ich betadle mein kühnes verlangen; Denn ich bin gegen dir freylich zu schwach: Aber der purpur der lachenden wangen Mehret mein winseln und seuffzendes ach / Und zieht mich dir nach. Stürzt nun dein scherz mein treues herz / Wie flammen die motten in tödlichen schmerz; Wie hast du Melinde / Denn was ich empfinde / Und was mich noch täglich mit dornen verletzt / So gringe geschätzt?

Schau / wie ich armer in thränen zerfliesse / Wie mir mein herze vor trauren verschmacht; Weilen dein safftiger balsam der küsse / Andern die lippen zu nectar-thau macht / Mich aber veracht. Doch schmerz und leid wird mit der zeit Nicht anders als nebel durch sonnen zerstreut; Drum hoff ich auff lachen Auch mitten im krachen / Wie lächzende muscheln in wäßriger grufft / Auff morgen und lufft.

Nun ach! mein engel / du kanst mich erretten: Höre doch endlich mein liebes-geschrey! Trenne die stricke / zermalme die ketten / Reiß die beschwerlichen fessel entzwey / Und mache mich frey. Du hast gesiegt. Ich bin bekriegt. Schau / wie dir dein diener zun füssen hier liegt. Ach laß dich des armen Doch endlich erbarmen / Und kühle durch qvellen bezuckerter flut Die traurige glut.

Wilst du denn lebenslang eisern verbleiben? Ist denn dein herze von stahl oder stein? Soll ich mich ewig zum sclaven verschreiben? Oder soll diese verbitterte pein Mein liebes-lohn seyn? Ich liebe dich! du hassest mich! Doch deine gedancken verfinsteren sich / Und werden von fernen / Noch endlich erlernen / Daß du mich unschuldig zum tode verdammt / Da du mich entflammt.

Kanst du dich aber nicht meiner erbarmen / Wilst du gleich ärger als tiegerthier seyn; So reist dein grausam-seyn dennoch mir armen / Durch die mit unglück erfüllete pein / Das herze nicht ein. Ich bin getreu / und schwere frey: Daß niemand an liebe beständiger sey. Du hast mich betrübet / Weil ich dich geliebet. Ich aber muß / weil ich dich / schönste / gesehn In flammen vergehn.

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Illustration zu An Melinden

Interpretation

Das Gedicht "An Melinden" von Benjamin Neukirch ist ein leidenschaftliches Liebesgedicht, in dem der Sprecher seine unerwiderte Liebe zu Melinden zum Ausdruck bringt. Der Sprecher gesteht, dass ihn Melindens Augenblitz besiegt hat und er vor Liebe brennt. Er bittet Melinden, ihm die Schalen der himmlischen Lebenskraft zu geben und seine traurigen Sorgen mit Rosen aufblühen zu lassen. Der Sprecher erkennt jedoch, dass seine Liebe zu Melinden unerwidert bleibt. Er fühlt sich ihr gegenüber zu schwach und wird von ihr wie eine Motte in tödlichen Schmerz gestürzt. Trotzdem hofft er darauf, dass seine Liebe eines Tages erwidert wird und er mit Melinden lachen kann, auch mitten im Krachen. Der Sprecher bittet Melinden inständig, ihn zu erretten und ihm die Ketten der unerwiderten Liebe zu brechen. Er fleht sie an, sein treuer Diener zu sein und seine traurige Glut mit süßen Fluten zu kühlen. Doch Melinden bleibt eisern und lässt den Sprecher in seiner Liebe vergehen. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis des Sprechers, dass seine Liebe zu Melinden unerwidert bleiben wird. Er akzeptiert sein Schicksal und weiß, dass er in Flammen vergehen wird, weil er Melinden geliebt hat.

Schlüsselwörter

endlich herze muß liebe hast seyn schönste drum

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Stilmittel

Hyperbel
daß ich vor liebe wie feuer muß brennen
Metapher
in flammen vergehn
Personifikation
daß ich vor liebe wie feuer muß brennen