An meinen Mann

Friederike Sophie Christiane Brun

1795

Laut heulet der Sturmwind im luftigen Haupt der zitternden Espe - es brausen die Wogen ans zackichte Ufer, weit über das Ufer, weit über die Steine, mit zischendem Schaum!

Ich höre mit Zittern den rauschenden Sturm; Ich höre mit Beben die heulenden Wogen! Fern ist der Geliebte, im schaurigen Walde, am stürzenden Felsstrom, im hallenden Thal!

Es hellet kein Sternlein Dir, Lieber! den Pfad; Dir lächelt, dir winket kein Mondstral, o Trauter! In dunkleren Tiefen weh′n hüpfende Flämmchen - O! folge, Geliebter, den Täuschenden nicht!

O kehre bald wieder zum heimischen Heerde! Nicht täuschende Flämmchen - Die Flamme der Liebe im Busen des Weibes, das Lächeln der Freude im Auge des Knaben, die harren Dein hier.

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Illustration zu An meinen Mann

Interpretation

Das Gedicht "An meinen Mann" von Friederike Sophie Christiane Brun ist ein emotionales Plädoyer einer Frau an ihren abwesenden Ehemann. Die Autorin verwendet eindrucksvolle Naturbilder, um die Gefahren und Herausforderungen zu beschreiben, denen ihr Mann möglicherweise ausgesetzt ist. Der Sturm und die tosenden Wellen symbolisieren die äußeren Widrigkeiten, während die Dunkelheit und die täuschenden Irrlichter die inneren Unsicherheiten und Versuchungen darstellen, denen er begegnen könnte. Die Frau drückt ihre tiefe Sorge und Sehnsucht nach ihrem Mann aus. Sie hört den Sturm und die Wogen mit Zittern und Beben, was ihre emotionale Verfassung widerspiegelt. Die Ferne ihres Geliebten, der sich in einem schaurigen Wald, an einem stürzenden Felsstrom und in einem hallenden Tal befindet, verstärkt ihre Angst und ihre Sehnsucht nach seiner Rückkehr. Sie warnt ihn vor den täuschenden Irrlichtern, die ihn in die Irre führen könnten, und bittet ihn inständig, bald zum heimischen Herd zurückzukehren. Die letzten Strophen des Gedichts sind eine herzliche Einladung an den Mann, in die Sicherheit und Wärme des Zuhauses zurückzukehren. Die Flamme der Liebe im Busen der Frau, das Lächeln der Freude im Auge des Kindes und die allgemeine Vorfreude auf seine Rückkehr werden als starke Anreize dargestellt. Die Frau betont, dass die wahre Wärme und das wahre Licht in der Liebe und im Familienleben zu finden sind, nicht in den täuschenden und vergänglichen Irrlichtern der äußeren Welt.

Schlüsselwörter

wogen ufer weit höre kein flämmchen laut heulet

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Stilmittel

Alliteration
Laut heulet der Sturmwind
Hyperbel
weit über das Ufer, weit über die Steine
Kontrast
im Auge des Knaben, / die harren Dein hier
Metapher
luftigen Haupt der zitternden Espe
Onomatopoesie
zischendem Schaum
Personifikation
Laut heulet der Sturmwind