An meinen Freund Gurlitt
1854Ich dachte dein, als ich die Herrlichkeiten Der Steiermark vom Berg herab erblickte Und im Empfindungswirbel fast erstickte, Weil mir die Kraft gebrach, ihn abzuleiten.
Denn wer, wie du, in nebelhafte Weiten Den Künstlerblick so oft schon siegreich schickte Und sicher war, daß keine ihn verstrickte, Vermag auch dort mit der Natur zu streiten.
Zwar werde ich dir nie die Hand mißgönnen, Doch könnt′ ich dir das Auge fast beneiden, Vor dem des Chaos Formen nicht bestehen.
Ich möchte Bilder schaun, nicht machen können, Und bloß, um nichts vom Häßlichen zu leiden, Denn niemals hat′s der Maler noch gesehen.
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Interpretation
Das Gedicht "An meinen Freund Gurlitt" von Friedrich Hebbel handelt von der Bewunderung des lyrischen Ichs für die künstlerische Begabung seines Freundes Gurlitt. Das lyrische Ich erinnert sich an einen Moment, als es die Schönheit der Steiermark sah und fast von den überwältigenden Empfindungen erstickte, weil es ihnen nicht gewachsen war. Es wünscht sich, die Fähigkeit zu haben, die Schönheit der Natur wie Gurlitt zu erfassen und festzuhalten. Es beneidet Gurlitt um sein Auge, das selbst das Chaos in Formen bringen kann. Es träumt davon, Bilder zu sehen, ohne sie selbst malen zu können, und nur das Schöne zu genießen, ohne das Hässliche ertragen zu müssen. Das Gedicht ist in drei Strophen gegliedert, die jeweils einen anderen Aspekt der Beziehung zwischen dem lyrischen Ich und Gurlitt beleuchten. Die erste Strophe beschreibt die Situation, in der das lyrische Ich an Gurlitt denkt und sich mit ihm vergleicht. Die zweite Strophe lobt Gurlitts künstlerische Leistung und seine Fähigkeit, sich in der Natur zurechtzufinden. Die dritte Strophe drückt die Sehnsucht des lyrischen Ichs aus, Gurlitts Talent zu besitzen und seine Werke zu sehen. Das Gedicht verwendet verschiedene sprachliche Mittel, um die Gefühle des lyrischen Ichs zu vermitteln. Es nutzt Metaphern, wie zum Beispiel "Empfindungswirbel" oder "Künstlerblick", um die Intensität der Eindrücke zu verdeutlichen. Es verwendet auch Alliterationen, wie zum Beispiel "nebelhafte Weiten" oder "des Chaos Formen", um einen harmonischen Klang zu erzeugen. Es verwendet zudem eine Anapher, indem es in jeder Strophe mit "Ich" beginnt, um die Ich-Perspektive zu betonen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- nie die Hand mißgönnen
- Hyperbel
- des Chaos Formen nicht bestehen
- Kontrast
- Bilder schaun, nicht machen können
- Metapher
- Bilder schaun
- Personifikation
- Künstlerblick so oft schon siegreich schickte