An meinen Bruder

Joseph von Eichendorff

1815

1815

Was Großes sich begeben, Der Kön′ge Herrlichkeit, Du sahsts mit freudgem Beben, Dir wars vergönnt, zu leben In dieser Wunderzeit.

Und über diese Wogen Kam hoch ein himmlisch Bild Durchs stille Blau gezogen, Traf mit dem Zauberbogen Dein Herz so fest und mild.

O wunderbares Grauen, Zur selben Stund den Herrn Im Wetterleuchten schauen, Und über den stummen Gauen Schuldloser Liebe Stern!

Und hat nun ausgerungen Mein Deutschland siegeswund: Was damals Lieb gesungen, Was Schwerter dir geklungen, Klingt fort im Herzensgrund.

Laß bilden die Gewalten! Was davon himmlisch war, Kann nimmermehr veralten, Wird in der Brust gestalten Sich manches stille Jahr.

Die Fesseln müssen springen, Ja, endlich macht sichs frei, Und Großes wird gelingen Durch Taten oder Singen, Vor Gott ists einerlei.

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Illustration zu An meinen Bruder

Interpretation

Das Gedicht "An meinen Bruder" von Joseph von Eichendorff thematisiert die Begeisterung und die tiefen emotionalen Eindrücke, die der Erzähler und sein Bruder während einer historischen Umbruchszeit erleben. Der Bruder hat die Herrlichkeit der Könige und die Wunder dieser Epoche miterlebt, was als eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung dargestellt wird. Das Gedicht spricht von einem "himmlischen Bild", das durch das stille Blau zieht und mit einem "Zauberbogen" das Herz des Bruders trifft, was auf eine tiefe, fast mystische Begeisterung für die Ereignisse und Ideale dieser Zeit hindeutet. In der zweiten Strophe wird die "wunderbare Grauen" beschrieben, die mit dem Anblick des Herrn im "Wetterleuchten" einhergeht. Dies könnte sich auf die turbulenten und oft chaotischen Ereignisse der Zeit beziehen, die sowohl Furcht als auch Bewunderung auslösen. Der "schuldlosen Liebe Stern" über den "stummen Gauen" symbolisiert die Hoffnung und die Ideale, die inmitten des Aufruhrs bestehen bleiben. Das Gedicht schließt mit einem Ausblick auf die Zukunft, in der die "Fesseln" gesprengt werden und Großes durch Taten oder Singen erreicht wird. Der Erzähler betont, dass vor Gott alle Bemühungen gleichwertig sind, was auf eine universelle und zeitlose Bedeutung der damaligen Ereignisse und Gefühle hindeutet. Die Erinnerung an die damalige Zeit und die damit verbundenen Emotionen werden als etwas beschrieben, das in der Brust Gestalt annimmt und nicht veralten kann, was die nachhaltige Wirkung dieser historischen Periode auf das individuelle Empfinden unterstreicht.

Schlüsselwörter

großes himmlisch stille begeben kön herrlichkeit sahsts freudgem

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Stilmittel

Bildsprache
Und über diese Wogen / Kam hoch ein himmlisch Bild
Gleichnis
Vor Gott ists einerlei
Hyperbel
Dir wars vergönnt, zu leben / In dieser Wunderzeit
Metapher
Und Großes wird gelingen / Durch Taten oder Singen
Personifikation
Im Wetterleuchten schauen