An meinem Geburtstage

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

(Dreißig Jahre später.)

Und so folgt das Jahr dem Jahre, Und mit schwarzem Flor behängt Steht gerüstet schon die Bahre, Die im letzten mich empfängt.

Tiefer in des Lebens Blüte Nagt sich täglich ein der Wurm, Und die Glut, die in mir glühte, Stirbt erlöschend hin im Sturm.

Hin mit jedem Tage schwindet Etwas, das mir teuer war, Und der Augen Stern erblindet, Und zu Grau erbleicht mein Haar.

Mag das Eis der Bäche tauen Und ihr Nest an meinem Dach Wiederum die Schwalbe bauen, Nie mein Herz mehr singt sie wach.

Durch des Frühlings Glanz und Prangen Fühl′ ich nur den Grabduft wehn Derer, die dahingegangen, Und gleich ihnen muß ich gehn!

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Illustration zu An meinem Geburtstage

Interpretation

Das Gedicht "An meinem Geburtstage" von Adolf Friedrich Graf von Schack ist eine melancholische Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die unaufhaltsame Annäherung an den Tod. Der Dichter blickt auf dreißig Jahre zurück und konfrontiert sich mit der Realität, dass jeder Tag ihn dem letzten näherbringt. Die Metapher der Bahre, die bereits bereitsteht, unterstreicht die Unausweichlichkeit des Todes und die Endlichkeit des Lebens. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt Schack den Verfall, der mit dem Alter einhergeht. Der Wurm, der sich in die Blüte des Lebens nagt, symbolisiert den allmählichen Verlust von Vitalität und Schönheit. Die erlöschende Glut in ihm und das Erblassen seiner Augen und Haare verdeutlichen den physischen und emotionalen Verfall. Trotz der Wiederkehr des Frühlings und der Natur, die sich erneuert, bleibt sein Herz stumm und unfähig, Freude zu empfinden. Der letzte Teil des Gedichts vertieft die Traurigkeit und Resignation des Dichters. Er fühlt nur den Duft des Grabes inmitten des Frühlingsglanzes, was darauf hindeutet, dass er von der Vergänglichkeit der Vergangenheit und der Unausweichlichkeit seines eigenen Endes überwältigt ist. Die Erkenntnis, dass er wie die Verstorbenen gehen muss, unterstreicht die Endgültigkeit des Todes und die Einsamkeit des menschlichen Daseins.

Schlüsselwörter

jahre hin dreißig später folgt jahr schwarzem flor

Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
Und gleich ihnen muß ich gehn
Personifikation
Und die Glut, die in mir glühte, Stirbt erlöschend hin im Sturm
Symbolik
Tiefer in des Lebens Blüte Nagt sich täglich ein der Wurm