An meine Mutter

Annette von Droste-Hülshoff

1797

So gern hätt′ ich ein schönes Lied gemacht, Von deiner Liebe, deiner treuen Weise, Die Gabe, die für andre immer wacht, Hätt′ ich so gern geweckt zu deinem Preise.

Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr, Und wie ich auch die Reime mochte stellen, Des Herzens Fluten rollten drüber her, Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gabe hin, vom einfach ungeschmückten Wort getragen, Und meine ganze Seele nimm darin; Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.

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Illustration zu An meine Mutter

Interpretation

Das Gedicht "An meine Mutter" von Annette von Droste-Hülshoff ist ein bewegendes Loblied auf die bedingungslose Liebe und Treue einer Mutter. Die Dichterin drückt den Wunsch aus, ein schönes Lied zu verfassen, das die Güte und Selbstlosigkeit ihrer Mutter würdigt. Sie möchte die Gabe, die stets für andere sorgt, zu Ehren erheben und in poetischer Form verewigen. Doch die Dichterin scheitert an ihrer eigenen emotionalen Überwältigung. Die Fluten ihres Herzens, die tiefen Gefühle, die sie für ihre Mutter empfindet, überwältigen sie und zerstören die zarten Wellen des geplanten Liedes. Die Reime, die sie zu stellen versucht, können die Intensität ihrer Emotionen nicht einfangen. Die Worte versagen angesichts der übermächtigen Liebe und Dankbarkeit. Am Ende bietet die Dichterin ihrer Mutter eine einfache, schlichte Gabe an, getragen von ungeschmückten Worten. Sie überlässt ihr ihre ganze Seele in diesem Gedicht. Die Dichterin erkennt an, dass dort, wo man am meisten fühlt, die Worte oft nicht ausreichen, um das Ausmaß der Gefühle auszudrücken. Das Gedicht wird so zu einem ehrlichen und aufrichtigen Ausdruck der tiefen Verbundenheit zwischen Mutter und Kind.

Schlüsselwörter

gern hätt gabe mehr nimm einfach schönes lied

Wortwolke

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Stilmittel

Antithese
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen
Hyperbel
So gern hätt' ich ein schönes Lied gemacht, Von deiner Liebe, deiner treuen Weise
Kontrast
So nimm die einfach schlichte Gabe hin, vom einfach ungeschmückten Wort getragen
Metapher
Des Herzens Fluten rollten drüber her, Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen
Personifikation
Die Gabe, die für andre immer wacht