An Mauern hin
1913Es geht ein alter Weg entlang An wilden Gärten und einsamen Mauern. Tausendjährige Eiben schauern Im steigenden fallenden Windgesang.
Die Falter tanzen, als stürben sie bald, Mein Blick trinkt weinend die Schatten und Lichter. Ferne schweben Frauengesichter Geisterhaft ins Blau gemalt.
Ein Lächeln zittert im Sonnenschein, Indes ich langsam weiterschreite; Unendliche Liebe gibt das Geleite. Leise ergrünt das harte Gestein.
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Interpretation
Das Gedicht "An Mauern hin" von Georg Trakl beschreibt eine melancholische Reise entlang eines alten Weges, gesäumt von wilden Gärten und einsamen Mauern. Die Atmosphäre ist von einem düsteren, fast unheimlichen Unterton geprägt, der durch die tausendjährigen Eiben verstärkt wird, die im Wind schauern. Der Windgesang verleiht der Szene eine fast mystische Qualität, während die Falter, die tanzen, als würden sie bald sterben, eine Ahnung von Vergänglichkeit und Tod vermitteln. Die zweite Strophe vertieft die emotionale Intensität des Gedichts. Der Blick des Sprechers trinkt weinend die Schatten und Lichter, was auf eine tiefe Traurigkeit und eine Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem hindeutet. Die fernen Frauengesichter, die geisterhaft ins Blau gemalt sind, könnten Erinnerungen oder Sehnsüchte symbolisieren, die den Sprecher begleiten und seine Einsamkeit unterstreichen. In der letzten Strophe findet das Gedicht eine leise Wendung. Ein Lächeln zittert im Sonnenschein, während der Sprecher langsam weiterschreitet. Die unendliche Liebe, die das Geleit gibt, deutet auf eine tröstende Präsenz hin, die den Sprecher durch seine Reise begleitet. Das harte Gestein, das leise ergrünt, symbolisiert vielleicht eine zarte Hoffnung oder Erneuerung, die sich selbst in der Härte des Lebens finden lässt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe, introspektive Stimmung, die zwischen Trauer und einem subtilen Hoffnungsschimmer oszilliert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- steigenden fallenden Windgesang
- Bildsprache
- Frauengesichter Geisterhaft ins Blau gemalt
- Hyperbel
- Unendliche Liebe gibt das Geleite
- Metapher
- mein Blick trinkt weinend die Schatten und Lichter
- Personifikation
- Tausendjährige Eiben schauern
- Symbolik
- Lächeln zittert im Sonnenschein