An König Ludwig von Bayern
1839Bei Zueignung der Todtenkränze.
Ich bin gekrümmt vor Fürsten nie gekrochen, Ich habe nie nach ihrer Gunst begehrt, Ich habe nie ein Schmeichelwort gesprochen; Doch Ehrfurcht zollt’ ich dem, der Ehrfurcht werth!
Du wirst mich nicht mitzählen zu der Menge, Die, feil und staubgewohnt, sich Jedem bückt, Die sich mit gleichem jubelnden Gedränge Um Antonin so wie um Nero drückt.
Nicht, weil Du bist, nah’ ich dem Throne, Miguel und Ludwig gelten mir nicht gleich, ’s ist nicht der Glanz der königlichen Krone, Es ist Dein Herz, das groß Dich macht und reich!
Es ist der hohe , dem ich mich neige, Noch größer, weil er einsam und allein; Es ist der freie Geist, dem ich mich beuge, Es ist der Wille, edel, fest und rein!
Du sahst aus alter Zeit die neue sprossen, Und ihrem Zuge hast Du Dich vertraut, Du hast dem Licht dein Auge nicht verschlossen, Dir hat vor seinem Glanze nicht gegraut.
Wie Siegfried bei dem Hort der Nibelungen, Schlugst Du den Zwerg, der schwächre Kämpen schreckt, Daß er, der feindlich auf Dich eingedrungen, Nun dienstbar sich zu Deinen Füßen streckt.
Und wie Arion, in dem Kampf der Wogen, Die Fluthen zähmt, die Leyer in der Hand, Ihn die Delphine freundlich spielend zogen, Den königlichen Sänger, an den Strand:
So stehst Du ruhig und der Sturm der Zeiten Tobt fern von Dir, wo sich kein Meister zeigt, Kein kund’ger Geist, ihn spurlos abzuleiten, Und hoch das Meer sein Ufer übersteigt! –
Zieh’ Deine Bahn, laß Dich die Welt nicht stören, Die jedes Hohe mißzudeuten strebt; Dein Lob laß andern Zeiten angehören, Wenn lang’ vergessen, die sie jetzt erhebt!
Glück auf, o Königsaar, zu Deinem Fluge, Breit’ Deine Schwingen, steig’ der Sonne zu! Nichts hindre Dich! – Im niedern Wolkenzuge Blitzen die Wetter, doch im Licht ist Ruh’! –
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Interpretation
Das Gedicht "An König Ludwig von Bayern" von Joseph Christian von Zedlitz ist eine Hommage an König Ludwig I. von Bayern, die seine Größe und Unabhängigkeit lobt. Der Dichter betont, dass er sich nicht vor Fürsten gebeugt oder um Gunst bemüht hat, sondern nur demjenigen Ehrfurcht zollt, der es verdient. Er distanziert sich von der Menge, die sich vor jedem Fürsten gleichermaßen beugt, und hebt hervor, dass es nicht die königliche Krone ist, die Ludwig auszeichnet, sondern sein Herz und seine inneren Werte. Zedlitz preist den Geist und den Willen Ludwigs, der aus der Vergangenheit in die Zukunft blickt und dem Licht nicht die Augen verschließt. Er vergleicht den König mit Siegfried, der den Zwerg besiegt, und mit Arion, der von den Delphinen gerettet wird. Diese Vergleiche verdeutlichen Ludwigs Stärke und seine Fähigkeit, sich in stürmischen Zeiten zu behaupten. Der Dichter ermutigt den König, seinen Weg ungestört fortzusetzen und nicht auf das Lob seiner Zeitgenossen zu achten, sondern auf die Anerkennung zukünftiger Generationen zu warten. Abschließend wünscht Zedlitz Ludwig einen erfolgreichen Flug, bei dem nichts ihn hindern soll. Er kontrastiert das stürmische Wetter in den unteren Wolken mit der Ruhe im Licht und symbolisiert damit die Herausforderungen, denen sich der König stellen muss, und die Gelassenheit, die er dabei bewahren soll. Das Gedicht ist eine poetische Aufforderung an Ludwig, seinen edlen und unabhängigen Kurs beizubehalten und sich nicht von der Welt beirren zu lassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- feil und staubgewohnt
- Hyperbel
- Es ist Dein Herz, das groß Dich macht und reich
- Metapher
- Ich bin gekrümmt vor Fürsten nie gekrochen
- Personifikation
- Und ihrem Zuge hast Du Dich vertraut
- Symbolik
- Breit' Deine Schwingen, steig' der Sonne zu
- Vergleich
- Wie Siegfried bei dem Hort der Nibelungen