An Köln
1843O Köln, du große Freudenstadt, Was sag ich noch zu deinem Ruhme? Wie du geblüht im grauen Altertume, So blühst du noch - die schönste Blume, Die je geblühet hat!
Dich preis ich, Königin, allein! Der hohe Dom ist deine Krone! Ha! wie es rauscht an deinem Uferthrone! Die Völker bringt dir, jeder Zone, Der rebengrüne Rhein.
Frohlockend grüßt dich ihr Gesang; Und rascher schlägt den Schaum der Wellen Der Schiffer, wenn in Tönen, wunderhellen, Herab von Kirchen und Kapellen Erklingt der Glocken Klang;
Wenn in der Abendsonne Strahl Die buntbemalten Fenster sprühen, Wenn rings die alten Gotenbögen glühen Wie Laubgewinde, die erblühen Mit Rosen ohne Zahl.
Still schreit ich durch das graue Tor, Dran hoch hinauf die Linden ragen; Und prächtig steigt der Glanz aus fernen Tagen, Der ganze Zauber deiner Sagen Vor meinem Geist empor!
Hier ist′s, wo Agrippinens Haar Sich lockig um die Schläfen drückte, Wo Karl Martell vom Kapitole blickte Und wo das Schwert, das blut′ge, zückte Durch der Normannen Schar!
Hier rief zu deiner Bürger Krieg Das Horn in schauerlichen Klängen; Hier sah man Panzer gegen Panzer drängen Und deinen Overstolzen sprengen Zum Tode und zum Sieg!
Hier schuf der Maler rüst′ge Hand Ein Heer von schimmernden Gestalten; Und dort sah man um Mitternacht den alten Albertus Magnus Wache halten Ob staub′gem Foliant!
Das war vordem! Auf ihr Gebein Ist längst der Grabesstein gesunken. Dein Banner weht daran; und freudetrunken Sah ich erglühn eilf goldne Funken Und dreier Kronen Schein!
So hat es einst auf langer Fahrt Gewallt von deiner Hansa Masten, Wenn Stürme wild die weißen Segel faßten Und drauf in Golfen kam zu rasten Die Flotte, bunt geschart.
Es sah die Welt zu ew′gem Ruhm Stets deine Bürger es geleiten; Drum, wie die Jahre wild verheerend schreiten, Du stehest da, zu allen Zeiten Ein schönes Heiligtum:
Wo Freiheit noch die Herzen schwellt Und kühne Männer noch zu schauen; Wo noch im Glanz von Augen, schwarz und blauen, Die Schar der minniglichen Frauen An echter Treue hält!
Ich singe noch; da lischt im Strom Das Abendglühn. Um die verwehten Kirchtürme schon die dunklen Schatten treten; Ich eile, eh es Nacht, zu beten In deinem hohen Dom!
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Interpretation
Das Gedicht "An Köln" von Georg Ludwig Weerth ist ein Loblied auf die Stadt Köln, das ihre Schönheit, Geschichte und kulturelle Bedeutung feiert. Der Dichter preist Köln als eine "Freudenstadt" und vergleicht sie mit einer blühenden Blume, die sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart strahlt. Der Dom wird als Krone der Stadt beschrieben, und der Rhein als Symbol für den Reichtum und die Vielfalt der Kulturen, die Köln besuchen. Das Gedicht beschreibt die lebendige Atmosphäre der Stadt, mit dem Klang der Glocken, der die Schiffer zum schnelleren Rudern anspornt, und dem Anblick der bunten Fenster und gotischen Bögen, die im Abendlicht erstrahlen. Weerth beschwört die reiche Geschichte Kölns, von den Zeiten Agrippinas und Karl Martells bis hin zu den Kämpfen gegen die Normannen und den künstlerischen Schöpfungen der Maler. Die Stadt wird als ein Ort dargestellt, an dem Freiheit und Mut gedeihen, und wo die Frauen für ihre Treue und Schönheit bewundert werden. Das Gedicht schließt mit einer persönlichen Note, als der Dichter beschreibt, wie er in der Dämmerung durch die Stadt eilt, um in dem hohen Dom zu beten. Die letzten Zeilen vermitteln ein Gefühl der Ehrfurcht und des Staunens über die Stadt Köln, die als ein "schönes Heiligtum" dargestellt wird, das durch die Zeiten hindurch Bestand hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Still schreit ich durch das graue Tor
- Anapher
- Hier ist's, wo... Hier rief... Hier sah man...
- Anspielung
- Agrippinens Haar, Karl Martell, Normannen
- Bildsprache
- Abendsonne Strahl, buntbemalten Fenster sprühen
- Hyperbel
- Elf goldne Funken und dreier Kronen Schein
- Kontrast
- Zwischen Vergangenheit ('vordem') und Gegenwart
- Metapher
- Köln als 'schönste Blume'
- Personifikation
- Der Rhein 'bringt' Völker
- Symbolik
- Hoher Dom als 'Krone'
- Vergleich
- Alte Gotenbögen glühen wie 'Laubgewinde'