An Ivan Turgenieff
1848In Ehrfurcht lass′ mich diesen Gruß dir senden, Du großer Meister, dem die Macht gegeben, Den wirr verschlung′nen Knoten, Menschenleben, Zu lösen mit den sichern, weisen Händen!
Des Zufalls Mißgunst nicht, noch seine Spenden, Nein! nur der angebor′nen Kräfte Weben, Des eignen Willens unbezwinglich Streben, Sind unser Schicksal! Keiner kann es wenden.
Das ist der Bann, von dem wir festgehalten, Die Haft, der nun und nimmer wir entrinnen, Was wir versuchen mögen und beginnen!
Du aber bist der Dolmetsch der Gewalten, Die in dem dunkeln Menschenherzen schalten, Und, parzengleich, den Schicksalsfaden spinnen!
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Interpretation
Das Gedicht "An Ivan Turgenieff" von Betty Paoli ist eine Hommage an den russischen Schriftsteller Ivan Turgenieff. Die Autorin drückt ihre tiefe Bewunderung für Turgenieff aus, den sie als großen Meister betrachtet, der die Fähigkeit besitzt, die verworrenen Knoten des menschlichen Lebens mit seinen sicheren und weisen Händen zu lösen. Sie sieht in ihm einen Interpret der Mächte, die im dunklen menschlichen Herzen walten und wie ein Schicksalsweber die Fäden des Lebens spinnen. Paoli betont, dass das Schicksal nicht vom Zufall bestimmt wird, sondern von den angeborenen Kräften und dem unbezwinglichen Streben des eigenen Willens. Sie beschreibt das Schicksal als einen Bann, der die Menschen festhält und aus dem sie nicht entkommen können, egal was sie auch versuchen oder beginnen mögen. In diesem Zusammenhang erscheint Turgenieff als eine Art Dolmetscher, der die Kräfte, die das Schicksal lenken, versteht und interpretiert. Die Autorin vergleicht Turgenieff mit einem Parzen, einer der drei Schicksalsgöttinnen der griechischen Mythologie, die den Lebensfaden spinnen. Sie sieht in ihm jemanden, der die Geheimnisse des menschlichen Herzens und des Schicksals zu entschlüsseln vermag. Das Gedicht ist somit eine tiefe Anerkennung für Turgenieffs literarisches Schaffen und seine Fähigkeit, die Komplexität des menschlichen Lebens und Schicksals in seinen Werken darzustellen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Du großer Meister, dem die Macht gegeben
- Metapher
- Parzengleich, den Schicksalsfaden spinnen
- Personifikation
- Des Zufalls Mißgunst nicht, noch seine Spenden