An Hygin, einen gesunden Alten

Friedrich von Hagedorn

1946

Hygin, du bist von sechzig Jahren, Und nur im Kränkeln unerfahren. Das Podagra, der Krampf, die Gicht Verbittern dir den Steinwein nicht. Dich kann kein Arzt zu Elixiren, Zum Lebensöl, zum Salz verführen: Macht er dir Aphorismos kund, So lachst du, bist und bleibst gesund. Ein andrer zähle seine Tage, Und rechne nicht die Zeit der Plage, Noch was vom Leben überhaupt Schmerz, Krankheit oder Kummer raubt; So scheinen ihm die Jahre minder: Wir heißen alt, und sind noch Kinder. Dem, der mir Nestors Dauer preist, Und Priams Alter trefflich heißt, Dem werd′ ich nimmer Beifall geben: Nur die Gesundheit ist das Leben.

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Illustration zu An Hygin, einen gesunden Alten

Interpretation

Das Gedicht "An Hygin, einen gesunden Alten" von Friedrich von Hagedorn thematisiert die Bedeutung von Gesundheit für ein erfülltes Leben, unabhängig vom Alter. Der Dichter preist Hygin, der bereits sechzig Jahre alt ist, jedoch noch nie ernsthaft krank war. Trotz möglicher altersbedingter Beschwerden wie Gicht oder Krampf bleibt Hygin unbeeindruckt und genießt sein Leben. Hagedorn betont, dass Hygin sich nicht von Ärzten oder medizinischen Ratschlägen beeinflussen lässt und stets gesund bleibt. Im zweiten Teil des Gedichts kontrastiert Hagedorn Hygin mit anderen Menschen, die ihr Leben als belastet empfinden. Diese zählen nicht nur die Zeit der Krankheit und des Leidens, sondern auch den Verlust von Lebensfreude durch Schmerz und Kummer. Dadurch erscheinen ihnen die Jahre kürzer, und sie bleiben in ihrer Entwicklung zurück. Hagedorn stellt fest, dass solche Menschen, obwohl sie alt sind, noch immer wie Kinder sind, da sie nicht gelernt haben, das Leben trotz Widrigkeiten zu genießen. Abschließend drückt Hagedorn seine Ablehnung gegenüber denen aus, die das hohe Alter von Personen wie Nestor oder Priam als erstrebenswert preisen. Für ihn ist ein langes Leben ohne Gesundheit bedeutungslos. Stattdessen betont er, dass allein die Gesundheit den wahren Wert des Lebens ausmacht. Das Gedicht vermittelt somit die Botschaft, dass ein gesundes Leben, unabhängig vom Alter, das höchste Gut ist und dass die Fähigkeit, trotz altersbedingter Beschwerden Freude am Leben zu haben, als erstrebenswert gilt.

Schlüsselwörter

leben hygin sechzig jahren kränkeln unerfahren podagra krampf

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Verbittern dir den Steinwein nicht
Anapher
Und rechne nicht die Zeit der Plage, Noch was vom Leben überhaupt
Bildsprache
Dem, der mir Nestors Dauer preist, Und Priams Alter trefflich heißt
Hyperbel
Nur die Gesundheit ist das Leben
Kontrast
Wir heißen alt, und sind noch Kinder
Metapher
Zum Lebensöl, zum Salz
Personifikation
Das Podagra, der Krampf, die Gicht