An Herrn Uz
1763Du, der, vom Weine berauscht, die Lust der Erde besungen, Mir gab Apollo kein lyrisches Spiel Bespannt mit Saiten von Gold, doch sind mir Lieder gelungen, Süßklingend sang ich der Seele Gefühl.
Mich hört der eiserne Held, mir horcht der ernste Gesandte, Herunter kommend vom Stuhle des Herrn, Auch höret meinen Gesang, wer sonst die Muse verkannte, Des Geizes Priester, vernehmen ihn gern.
Mir gab Dein liebender Freund der Felsenspringerin Laute, Oh, ihn nur zu denken wird süßer Gesang In der ganz sapphischen Brust; der Liebes-Götter Vertraute Ward ich und habe die Herzen in Zwang!
Mich fühlt der wankende Greis, die abgelebte Matrone, Mich horcht der Jünglinge klopfendes Herz. Das Mädchen fürchtet den Pfeil! er rauscht im sapphischen Tone Laut, wie im Uzischen Liede voll Scherz.
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Interpretation
Das Gedicht "An Herrn Uz" von Anna Louisa Karsch thematisiert die eigene lyrische Begabung und den Einfluss ihrer Dichtung auf verschiedene Menschen. Die Dichterin betont, dass ihr zwar nicht die Gabe göttlicher Musen wie Apollo zuteilwurde, doch sind ihr dennoch süßklingende Lieder gelungen, die die Gefühle der Seele einfangen. Sie beschreibt, wie ihre Verse von unterschiedlichen Hörern geschätzt werden, von heldenhaften Männern bis hin zu jenen, die die Muse zuvor verkannten. Karsch hebt hervor, dass ihr die Liebe und Unterstützung eines liebenden Freundes die Laute der "Felsenspringerin" – vermutlich ein Hinweis auf die antike Dichterin Sappho – geschenkt hat. Diese Gabe ermöglichte es ihr, zur Vertrauten der Liebesgötter zu werden und die Herzen der Menschen in ihren Bann zu ziehen. Ihre Dichtung erreicht ein breites Publikum, von alten Männern und Frauen bis hin zu jungen Menschen, deren Herzen vor Liebe klopfen. Die Kraft ihrer Worte wird mit dem Pfeil der Liebe verglichen, der laut und eindringlich im sapphischen Ton erklingt. Das Gedicht reflektiert somit die eigene Stellung als Dichterin und die universelle Wirkung ihrer Verse. Karsch positioniert sich in der Tradition der großen lyrischen Vorbilder und beansprucht für sich die Fähigkeit, tiefste menschliche Emotionen zu berühren. Durch die Anspielung auf Uz, vermutlich einen zeitgenössischen Dichter oder Musiker, setzt sie ihre eigene Kunst in Bezug zu der ihres Umfelds und betont die Einzigartigkeit und Stärke ihrer lyrischen Stimme.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Süßklingend sang ich der Seele Gefühl
- Hyperbel
- Bespannt mit Saiten von Gold
- Metapher
- Laut, wie im Uzischen Liede voll Scherz
- Personifikation
- Mir gab Apollo kein lyrisches Spiel