An Herren Christian Fürsten zu Anhalt
1618Der feind gleichwie der freind wird dich in dieser nacht, da tugend und fromkeit ganz ligen überdrungen, ein wunder in dem rat, ein dunder in der schlacht, mit ehr, verwundrung, lob zu nennen stracks gezwungen. Auch deines geists, leibs, munds weis, stark und süß macht (was zu der helden lob die Griechen je gesungen) bereiten für dein haupt mit dreimal reichem pracht ein dreifach reichen kranz durch dein schwert, feder, zungen. Wan du dan in der welt (die kaum ein andern sohn der, wie du, kan zumal wol reden, streiten, schreiben) bist des feinds hohn und forcht und des freinds ruhm und wohn: Wie kan dan unser land in längerm zweifel bleiben, daß du nicht werdest bald, sein Phöbus und patron, die wolken des unglücks durch deinen glanz vertreiben.
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Interpretation
Das Gedicht "An Herren Christian Fürsten zu Anhalt" von Georg Rodolf Weckherlin preist die außergewöhnlichen Qualitäten und Leistungen des Adressaten. Weckherlin beschreibt, wie sowohl Feinde als auch Freunde den Herrn Fürsten in dieser Nacht zwingen werden, ihn aufgrund seiner Tugend und Frömmigkeit, die überwältigend sind, mit Ehre, Verwunderung und Lob zu erwähnen. Die Weisheit, Stärke und Süße des Geistes, des Leibes und des Mundes des Fürsten bereiten einen dreifach reichen Kranz für sein Haupt, der durch sein Schwert, seine Feder und seine Zunge verdient ist. Weckherlin betont, dass der Herr Fürst in der Welt einzigartig ist, da kaum ein anderer Sohn so gut sprechen, kämpfen und schreiben kann wie er. Er ist der Spott und die Furcht des Feindes und der Ruhm und die Wohnstatt des Freundes. Das Gedicht drückt die Hoffnung aus, dass das Land nicht länger im Zweifel bleiben wird, sondern den Herrn Fürsten bald zu seinem Phöbus (Sonnengott) und Patron machen wird, der die Wolken des Unglücks durch seinen Glanz vertreibt. Das Gedicht ist eine Lobeshymne auf den Herrn Fürsten zu Anhalt, die seine herausragenden Eigenschaften und Fähigkeiten in den Bereichen Krieg, Literatur und Diplomatie hervorhebt. Weckherlin verwendet eine Vielzahl von Metaphern und Bildern, um die Größe und den Einfluss des Fürsten zu beschreiben. Der dreifach reiche Kranz, der durch Schwert, Feder und Zunge verdient ist, symbolisiert die Vielseitigkeit und Vollkommenheit des Fürsten. Das Gedicht endet mit der Hoffnung, dass der Herr Fürst das Land vor Unglück bewahren und ihm zu neuer Blüte verhelfen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- mit ehr, verwundrung, lob zu nennen stracks gezwungen
- Anapher
- Der feind gleichwie der freund wird dich in dieser nacht, da tugend und fromkeit ganz ligen überdrungen
- Hyperbel
- bereiten für dein haupt mit dreimal reichem pracht ein dreifach reichen kranz durch dein schwert, feder, zungen
- Metapher
- die wolken des unglücks durch deinen glanz vertreiben
- Personifikation
- daß du nicht werdest bald, sein Phöbus und patron
- Rhetorische Frage
- Wie kan dan unser land in längerm zweifel bleiben
- Vergleich
- Der feind gleichwie der freund wird dich in dieser nacht