An Henriette
1891Von Gram und Taumel fortgerissen, Verzweiflungsvoll dein Bild zu küssen, Ach, alles, was mir übrig ist. Dies Bild will ich am Munde halten, Wenn alles an mir wird erkalten Und du mir selbst nicht denkbar bist.
Verzeih den Kranz, den eines Wilden Hand Um dein geheiligt Bildniß wand, Hier, wo er unbekannt der Welt, In dunkeln Wäldern, die ihn schützen, Im Tempel der Natur es heimlich aufgestellt, Und wenn er davor niederfällt, Die Götter selbst auf ihren Flammensitzen Für eifersüchtig hält.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An Henriette" von Jakob Michael Reinhold Lenz ist ein leidenschaftliches und emotionales Werk, das die tiefe Sehnsucht und Verzweiflung des lyrischen Ichs nach seiner geliebten Henriette zum Ausdruck bringt. In den ersten drei Strophen beschreibt der Sprecher seine innere Zerrissenheit und seinen Schmerz, der durch die Trennung von seiner Geliebten verursacht wird. Er sehnt sich danach, ihr Bild zu küssen und es in seinen Händen zu halten, als wäre es das Einzige, was ihm noch bleibt. Das Gedicht zeichnet sich durch eine starke emotionale Intensität aus, die durch die Verwendung von lebendigen Bildern und Metaphern verstärkt wird. Die zweite Strophe setzt die emotionale Intensität des Gedichts fort, indem der Sprecher um Vergebung für den Kranz bittet, den er um das Bild seiner Geliebten gelegt hat. Der Kranz wird als Symbol für die Reinheit und Heiligkeit seiner Liebe zu Henriette dargestellt. Der Sprecher beschreibt, wie er den Kranz in der Einsamkeit der Natur aufgestellt hat, als wäre er in einem Tempel, in dem er seine Liebe zu seiner Geliebten verehren kann. Die Verwendung von religiösen Bildern und Metaphern unterstreicht die Tiefe der Gefühle des Sprechers und seine Hingabe an seine Geliebte. Die letzte Strophe des Gedichts beschreibt die Angst des Sprechers, dass seine Liebe zu Henriette von den Göttern als eifersüchtig angesehen werden könnte. Der Sprecher beschreibt, wie er vor dem Bild seiner Geliebten niederkniet und die Götter selbst auf ihren Flammensitzen als eifersüchtig betrachtet. Diese letzte Strophe unterstreicht die Intensität der Gefühle des Sprechers und seine Bereitschaft, alles für seine Liebe zu opfern. Insgesamt ist "An Henriette" ein bewegendes und emotionales Gedicht, das die tiefe Liebe und Sehnsucht des lyrischen Ichs nach seiner Geliebten zum Ausdruck bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Im Tempel der Natur es heimlich aufgestellt
- Hyperbel
- Die Götter selbst auf ihren Flammensitzen Für eifersüchtig hält
- Kontrast
- Hier, wo er unbekannt der Welt, In dunkeln Wäldern, die ihn schützen
- Metapher
- Von Gram und Taumel fortgerissen
- Personifikation
- Und wenn er davor niederfällt, Die Götter selbst auf ihren Flammensitzen Für eifersüchtig hält
- Symbolik
- Verzeih den Kranz, den eines Wilden Hand Um dein geheiligt Bildniß wand