An Henriette von

Sophie Friederike Brentano

1770

Durch die Gebüsche Singend und helle, Stürzet die frische Silberne Quelle.

Ruhige Lieder Flüstern die Bäume, Selige Träume, Säuseln hernieder.

Tief in dem Schatten, Sehnend und milde, Girret die wilde Taube dem Gatten.

Tieferes Sehnen Klagt Philomele, Hauchet in Tönen Liebend die Seele.

Wildes Gefieder Singet dazwischen Seltsame Lieder Aus den Gebüschen.

Und des Akkordes Fröhlicher Wahrheit, Fehlt nur des Wortes Schönere Klarheit.

Du! mit dem dunkeln Aug’ der Gazelle! Laß an der Quelle Bald es mir funkeln!

Laß, diese Klänge Mild zu verschönen, Süße Gesänge Froh dir enttönen,

Und in die frischen Wilden Akkorde Zärtlich sich mischen Trauliche Worte!

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Illustration zu An Henriette von

Interpretation

Das Gedicht "An Henriette von" von Sophie Friederike Brentano zeichnet ein idyllisches Naturbild, das von einer lebendigen Quelle und den umgebenden Büschen geprägt ist. Die Quelle wird als frisch und silbern beschrieben, die durch die Gebüsche singt und eine heitere Atmosphäre schafft. Die Bäume flüstern ruhige Lieder, und selige Träume säuseln hernieder, was eine friedliche und träumerische Stimmung vermittelt. Die Natur wird als ein Ort der Sehnsucht und der zarten Gefühle dargestellt, wo selbst die wilde Taube in tiefem Schatten ihrem Gatten girret. Die poetische Sprache des Gedichts verstärkt die emotionale Tiefe, indem sie Klänge und Töne in den Vordergrund stellt. Philomele klagt ein tieferes Sehnen, während ihre Seele in liebenden Tönen haucht. Das wilde Gefieder singt seltsame Lieder aus den Gebüschen, was die Vielfalt und den Reichtum der Naturklänge unterstreicht. Der Akkord der fröhlichen Wahrheit fehlt nur der schöneren Klarheit der Worte, was auf eine unvollkommene, aber dennoch schöne Ausdrucksweise hindeutet. Im letzten Teil des Gedichts richtet sich die Sprecherin direkt an Henriette, deren dunkles Auge mit dem der Gazelle verglichen wird. Sie bittet darum, dass die Klänge an der Quelle bald ihr funkeln mögen und dass die süßen Gesänge, die froh entschweben, mild zu verschönen seien. Die Bitte, dass trauliche Worte sich zärtlich in die frischen wilden Akkorde mischen, zeigt den Wunsch nach einer harmonischen Verbindung zwischen Natur und menschlicher Zärtlichkeit, die das Gedicht in seiner Gesamtheit ausdrückt.

Schlüsselwörter

quelle lieder laß gebüsche singend helle stürzet frische

Wortwolke

Wortwolke zu An Henriette von

Stilmittel

Alliteration
Durch die Gebüsche, Singend und helle, Stürzet die frische, Silberne Quelle
Anapher
Tief in dem Schatten, Sehnend und milde, Girret die wilde, Taube dem Gatten
Apostrophe
Du! mit dem dunkeln Aug' der Gazelle
Assonanz
Ruhige Lieder, Flüstern die Bäume, Selige Träume, Säuseln hernieder
Bildsprache
Durch die Gebüsche, Stürzet die frische, Silberne Quelle, Ruhige Lieder, Flüstern die Bäume, Selige Träume, Säuseln hernieder
Enjambement
Und des Akkordes, Fröhlicher Wahrheit, Fehlt nur des Wortes, Schönere Klarheit
Euphemismus
Und in die frischen, Wilden Akkorde, Zärtlich sich mischen, Trauliche Worte
Hyperbel
Wildes Gefieder, Singet dazwischen, Seltsame Lieder, Aus den Gebüschen
Kontrast
Wildes Gefieder, Singet dazwischen, Seltsame Lieder, Aus den Gebüschen
Metapher
Tieferes Sehnen, Klage Philomele
Metonymie
Aug' der Gazelle
Parallelismus
Laß an der Quelle, Bald es mir funkeln
Personifikation
Ruhige Lieder, Flüstern die Bäume, Selige Träume, Säuseln hernieder
Symbolik
Silberne Quelle, Selige Träume, Tiefes Sehnen
Synästhesie
Laß, diese Klänge, Mild zu verschönen, Süße Gesänge, Froh dir enttönen