An Henriette Froriep
1840Meine Seele war bey dir Ich stand an deinem Sterbebette Hörte den lezten ängstlichen Athemzug Deiner heisen Brust - Sahe den Blik, Der mir so oft lächelte - Sich trüben - brechen - Und endlich hinstarren, Auf dieser Welt nichts mehr suchend.
Da warf ich mich auf dich hin Schüttelte dich Rief dir Und wollte dich mit meinen heissen Thränen erwärmen.
Aber du bliebst kalt Und stumm.
Sie legten dich in eben den Sarg Den ich und Du So oft Schlafstelle genannt hatten. Aber da sie dich hineinschlossen War er mir Sarg War er mir die fürchterliche Hölle Der Vernichtung. Nicht nur dein Mensch von Erde Sollte verwesen Du selbst wurdest verriegelt Um nimmermehr wieder hervorzugehen. Sie trugen dich fort Zitternd stürzte ich mich durch die schwarze Reyhe
Umschlang deinen Sarg - Aber sie rissen mich weg Und als ich mich wiederfand Stand ich allein an deinem Grabe Und mein Blik Schauderte die fürchterliche Tiefe herab, Die uns auf ewig trennte; Und doch verlies mich Die stumme Verzweiflung Die meine Seele ergriff Als sie dich einsenkten; Mir wars Wie wenn ich in einer stürmischen Rabenschwarzen Nacht Meinen Weg verloren hätte, Und in Klippen geriethe Wo ich aufgeben muste, Ihn diese Nacht zu finden; Aber doch gegen Osten stand Wo ich so ganz gewis wuste - Daß der Morgen wiederkommen müßte.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An Henriette Froriep" von Johanna Sophie Dorothea Albrecht ist ein tief bewegendes und emotionales Werk, das den Schmerz und die Verzweiflung des lyrischen Ichs über den Verlust einer geliebten Person zum Ausdruck bringt. Die Autorin beschreibt die Szene am Sterbebett der Freundin Henriette Froriep, die gerade gestorben ist. Das lyrische Ich steht an ihrem Bett und beobachtet den letzten Atemzug und den Blick, der sich trübt und schließlich hinstarrt. Die Verzweiflung des lyrischen Ichs wird deutlich, als es sich auf die Tote wirft und versucht, sie mit seinen heißen Tränen zu erwärmen, aber vergeblich. Das Gedicht setzt sich fort mit der Beerdigungsszene. Das lyrische Ich erlebt den Sarg, der einst als Schlafstelle bezeichnet wurde, nun als furchtbare Hölle der Vernichtung. Es fühlt, dass nicht nur der Körper der Verstorbenen verwesen wird, sondern dass auch ihre Seele für immer verschlossen ist und nie wieder hervorkommen wird. Das lyrische Ich folgt dem Sarg zur Grabstätte, umklammert ihn und wird schließlich weggezogen. Allein am Grab stehend, blickt es in die Tiefe, die sie für immer trennt, und fühlt eine stumme Verzweiflung, die ihre Seele ergriffen hat. Das Gedicht endet mit einer Metapher, die den Zustand des lyrischen Ichs mit dem Verirren in einer stürmischen, rabenschwarzen Nacht vergleicht. Es fühlt sich verloren und in Klippen geraten, wo es aufgeben muss, den Weg zu finden. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer, da es im Osten weiß, dass der Morgen wiederkommen muss. Diese Metapher symbolisiert die Hoffnung auf Trost und Heilung in der Zukunft, trotz des tiefen Schmerzes und der Verzweiflung, die das lyrische Ich im Moment empfindet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Da warf ich mich auf dich hin Schüttelte dich Rief dir Und wollte dich mit meinen heissen Thränen erwärmen
- Hyperbel
- War er mir die fürchterliche Hölle Der Vernichtung
- Kontrast
- Aber da sie dich hineinschlossen War er mir Sarg War er mir die fürchterliche Hölle Der Vernichtung
- Metapher
- Und endlich hinstarren, Auf dieser Welt nichts mehr suchend
- Personifikation
- Schauderte die fürchterliche Tiefe herab
- Symbolik
- Und doch gegen Osten stand Wo ich so ganz gewis wuste - Daß der Morgen wiederkommen müßte
- Vergleich
- Mir wars Wie wenn ich in einer stürmischen Rabenschwarzen Nacht Meinen Weg verloren hätte