An Heinrich Anschütz
1850Des innern Frühlings zaubervolle Blüthe, Der Frost des Alters macht sie nicht erbleichen! Deß bist du selbst ein hochbegnadigt Zeichen, Du Greis an Jahren, Jüngling im Gemüthe!
Als die Natur dich schuf, in ihrer Güte Ausstattend dich mit Gaben sonder Gleichen, Da mochte bange Sorge sie beschleichen, Wie sie ihr herrliches Gebild behüte.
Und also sprach sie, zu der Zeit gekehrt: Nicht rühre an dieß Haupt mit deinen Schwingen, Laß mir mein edles Kunstwerk unversehrt!
Wie hier der Gaben Fülle zu durchdringen, Daß eine stets der andern Glanz vermehrt, Es wird mir nicht zum zweitenmal gelingen.
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Interpretation
Das Gedicht "An Heinrich Anschütz" von Betty Paoli preist den Dichter Heinrich Anschütz als einzigartiges und bewundernswertes Genie. Es vergleicht seine geistige Frische und Schaffenskraft mit dem "inneren Frühling", der selbst vom "Frost des Alters" nicht erbleicht. Anschütz wird als "Greis an Jahren, Jüngling im Gemüthe" beschrieben, der die Vereinigung von Lebenserfahrung und jugendlicher Kreativität verkörpert. Die Natur selbst wird als schützende und bewundernde Instanz dargestellt, die Anschütz mit "Gaben sonder Gleichen" ausgestattet hat. Die Sorge, wie sie ihr "herrliches Gebild" behüten soll, unterstreicht die Einzigartigkeit und Verletzlichkeit dieses Genies. Die Natur schwört, Anschütz' Haupt mit ihren Schwingen nicht zu berühren, um ihr "edles Kunstwerk unversehrt" zu lassen. Abschließend betont das Gedicht die unerreichte Fülle und Vielschichtigkeit von Anschütz' Talenten, bei denen "eine stets der andern Glanz vermehrt". Diese einzigartige Kombination von Gaben wird als unwiederholbar dargestellt: "Es wird mir nicht zum zweitenmal gelingen." Das Gedicht ist somit eine Hommage an ein unvergleichliches Genie, das in seiner Vollkommenheit einzigartig in der Natur ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Und also sprach sie, zu der Zeit gekehrt
- Befürchtung
- Da mochte bange Sorge sie beschleichen
- Gegenüberstellung
- Du Greis an Jahren, Jüngling im Gemüthe
- Hyperbel
- Es wird mir nicht zum zweitenmal gelingen
- Metapher
- Des innern Frühlings zaubervolle Blüthe
- Personifikation
- Als die Natur dich schuf