An Gott
1913Du wehrst den guten und den bösen Sternen nicht; all ihre Launen strömen. In meiner Stirne schmerzt die Furche, die tiefe Krone mit dem düsteren Licht.
Und meine Welt ist still - du wehrtest meiner Laune nicht. Gott, wo bist du?
Ich möchte nah an deinem Herzen lauschen, mit deiner fernsten Nähe mich vertauschen, wenn goldverklärt in deinem Reich aus tausendseligem Licht alle die guten und bösen Brunnen rauschen.
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Interpretation
Das Gedicht "An Gott" von Else Lasker-Schüler thematisiert die Beziehung zwischen Mensch und Göttlichkeit sowie die Suche nach Nähe zu Gott. Die Sprecherin beschreibt ihre eigene innere Unruhe und den Schmerz, den sie empfindet, während Gott scheinbar unerreichbar bleibt. Die "Furche" in ihrer Stirne und die "tiefe Krone mit dem düsteren Licht" symbolisieren die innere Zerrissenheit und die Last, die sie trägt. Die Welt um sie herum ist still, doch sie fühlt sich von Gott allein gelassen, was ihre Sehnsucht nach göttlicher Nähe verstärkt. Die Frage "Gott, wo bist du?" drückt die Verzweiflung und das Gefühl der Verlassenheit der Sprecherin aus. Sie sehnt sich danach, die göttliche Gegenwart zu spüren und mit Gott in Verbindung zu treten. Die Vorstellung, "nah an deinem Herzen lauschen" zu wollen, zeigt ihre tiefe Sehnsucht nach spiritueller Nähe und Verständnis. Die Metapher des "Vertauschens" mit Gottes "ferner Nähe" deutet auf den Wunsch hin, die Distanz zwischen Mensch und Göttlichkeit zu überbrücken. Im letzten Vers des Gedichts malt Lasker-Schüler ein Bild von göttlicher Herrlichkeit und Fülle. Das "goldverklärte Reich" und das "tausendselige Licht" stehen für die Schönheit und den Reichtum des Göttlichen. Die "guten und bösen Brunnen", die "rauschen", symbolisieren die Vielfalt und die Dualität des Lebens, die in Gottes Reich vereint sind. Das Gedicht endet mit einem hoffnungsvollen Ausblick auf die Möglichkeit, in dieser göttlichen Fülle aufzugehen und Frieden zu finden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Du wehrst den guten und den bösen Sternen nicht; All ihre Launen strömen.
- Bildlichkeit
- aus tausendseligem Licht alle die guten und bösen Brunnen rauschen
- Hyperbel
- mit deiner fernsten Nähe mich vertauschen
- Metapher
- In meiner Stirne schmerzt die Furche
- Personifikation
- Und meine Welt ist still
- Rhetorische Frage
- Gott, wo bist du?