An Gott den Heiligen Geist

Andreas Gryphius

1637

O Fewer wahrer lieb! O brun der gutten gaben! O Meister aller kunst! O Höchste Heilikeit! O dreymall grosser Gott! O lust die alles leid Vertreibt! O keusche taub! O furcht der Hellen raben! Die/ ehr das wüste meer/ mit bergen rings vmbgraben/ Ehr luft vnd erden ward/ ehr das gestirnste kleid Dem himmell angelegt/ ja schon vor ewikeit Die zwey die gantz dir gleich/ von sich gelassen haben. O weisheit ohne maaß; O reiner Seelen gast/ O tewre gnaden quell′/ O trost in herber last! O regen der in angst mitt segen vns befeuchtet! Ach laß ein tröpfflin nur von deinem lebens-taw Erfrischen meinen Geist. Hilff das ich doch nur schaw′ Ein füncklin deiner glutt; so bin ich recht erleuchtet.

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Illustration zu An Gott den Heiligen Geist

Interpretation

Das Gedicht "An Gott den Heiligen Geist" von Andreas Gryphius ist ein tief empfundenes Loblied auf den Heiligen Geist, das seine göttlichen Eigenschaften und seine Rolle in der Schöpfung und im Leben des Gläubigen preist. Der Dichter verwendet eine Vielzahl von Metaphern und Anrufungen, um die Größe und die Güte des Heiligen Geistes zu beschreiben, wie zum Beispiel "O Fewer wahrer lieb", "O Meister aller kunst" und "O dreymall grosser Gott". Diese Anrufungen unterstreichen die Verehrung und die tiefe spirituelle Verbindung, die Gryphius zum Heiligen Geist empfindet. In der zweiten Strophe des Gedichts wird die Rolle des Heiligen Geistes in der Schöpfung betont. Gryphius erwähnt, dass der Heilige Geist bereits vor der Ewigkeit existierte und die "zween" – vermutlich Gott der Vater und Jesus Christus – in ihrer Gleichheit mit ihm zurückließen. Dies deutet auf die Trinität und die ewige Natur des Heiligen Geistes hin. Der Dichter preist auch die Weisheit, Reinheit und Gnade des Heiligen Geistes, die Trost in schweren Zeiten spenden und den Gläubigen mit Segen erfüllen. Der letzte Teil des Gedichts ist eine persönliche Bitte Gryphius', vom Heiligen Geist erleuchtet und erfrischt zu werden. Er bittet um "ein tröpfflin nur von deinem lebens-taw", um seinen Geist zu erfrischen und ein "füncklin deiner glutt" zu schauen, um richtig erleuchtet zu werden. Dies zeigt die Demut und die Abhängigkeit des Dichters von der göttlichen Führung und dem Heiligen Geist, der ihm den Weg weist und ihm spirituelle Erleuchtung bringt.

Schlüsselwörter

ehr fewer wahrer lieb brun gutten gaben meister

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Stilmittel

Anapher
O Fewer wahrer lieb! O brun der gutten gaben! O Meister aller kunst! O Höchste Heilikeit! O dreymall grosser Gott! O lust die alles leid Vertreibt! O keusche taub! O furcht der Hellen raben!
Apostrophe
Ach laß ein tröpfflin nur von deinem lebens-taw Erfrischen meinen Geist. Hilff das ich doch nur schaw′ Ein füncklin deiner glutt; so bin ich recht erleuchtet.
Bildsprache
Die/ ehr das wüste meer/ mit bergen rings vmbgraben/ Ehr luft vnd erden ward/ ehr das gestirnste kleid Dem himmell angelegt/ ja schon vor ewikeit
Hyperbel
O weisheit ohne maaß
Metapher
O regen der in angst mitt segen vns befeuchtet
Parallelismus
Die/ ehr das wüste meer/ mit bergen rings vmbgraben/ Ehr luft vnd erden ward/ ehr das gestirnste kleid Dem himmell angelegt/ ja schon vor ewikeit
Personifikation
Die zwey die gantz dir gleich/ von sich gelassen haben