An Goethe
1810Nun hab′ ich dich gesehen, Du hohes Heldenhaupt, In fernen, sel′gen Höhen, Von frischem Kranz umlaubt.
Apollo′s goldner Bogen Der Stirne lichter Bau, Ein Firmament, umzogen Von ewig klarem Blau.
Das milde, weise Lächeln, Das um die Lippe wallt, Wie linder Weste Fächeln Zu mildern die Gewalt.
Wie traten aus dem Dunkeln Die Formen klar und rein, Die Blicke sah ich funkeln Wie goldner Sterne Schein.
Mit Worten dich zu grüßen, Hat Stolz mich nie verführt, Die Hand nur möcht′ ich küssen, Die so die Saiten rührt.
Du Herzog sonder Gleichen, Du sel′ger Dichterfürst, Der du in deinen Reichen Doch ewig herrschen wirst!
O laß dir′s noch gefallen Hienieden gern und lang; Auch in des Aethers Hallen, Tönt ja nur dein Gesang.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An Goethe" von Max von Schenkendorf ist eine Huldigung an Johann Wolfgang von Goethe, in der der Dichter seine Bewunderung und Ehrfurcht für den großen deutschen Dichter zum Ausdruck bringt. Schenkendorf beschreibt Goethe als ein "hohes Heldenhaupt", das von einem "frischen Kranz" umgeben ist, was auf Goethes herausragende Stellung in der Literaturwelt hinweist. Der Vergleich mit Apollo, dem Gott der Dichtkunst, unterstreicht Goethes göttliche Inspiration und seine unsterbliche Bedeutung für die deutsche Kultur. Im zweiten Teil des Gedichts konzentriert sich Schenkendorf auf Goethes persönliche Eigenschaften und seine Wirkung auf andere. Er beschreibt Goethes Lächeln als mild und weise, das wie ein sanfter Westwind die Gewalt mildert. Dies deutet darauf hin, dass Goethe nicht nur ein brillanter Dichter, sondern auch ein weiser und mitfühlender Mensch war, der durch seine Worte und Taten die Menschen um ihn herum positiv beeinflusste. Das Gedicht schließt mit einer Bitte an Goethe, auf Erden zu bleiben und weiterhin sein Werk zu schaffen. Schenkendorf betont, dass Goethes Gesang, also seine Dichtung, auch in den himmlischen Hallen widerhallen wird. Dies unterstreicht die zeitlose Natur von Goethes Werk und seine Bedeutung für die Nachwelt. Das Gedicht ist ein Zeugnis der tiefen Verehrung, die Goethe zu Lebzeiten entgegengebracht wurde, und eine Anerkennung seiner unvergänglichen Bedeutung für die deutsche Literatur.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anrede
- Du Herzog sonder Gleichen
- Apostrophe
- O laß dir′s noch gefallen
- Bildsprache
- Von ewig klarem Blau
- Hyperbel
- Der du in deinen Reichen Doch ewig herrschen wirst
- Metapher
- Die Blicke sah ich funkeln Wie goldner Sterne Schein
- Personifikation
- Apollo′s goldner Bogen
- Symbolik
- Von frischem Kranz umlaubt
- Vergleich
- Wie linder Weste Fächeln