An Goethe
1751März 1808
Auch du, der, sinnreich durch Athenes Schenkung, Sein Flügelroß, wenn′s unfügsam sich bäumet, Und Funken schnaubt, mit Kunst und Milde zäumet, Zum Hemmen niemals, nur zu freier Lenkung: Du hast, nicht abhold künstelnder Beschränkung, Zwei Vierling′ und zwei Dreiling′ uns gereimet? Wiewohl man hier Kernholz verhaut, hier leimet, Den Geist mit Stümmlung lähmend und Verrenkung? Laß, Freund, die Unform alter Trouvaduren, Die einst vor Barbarn, halb galant, halb mystisch, Ableierten ihr klingelndes Sonetto; Und lächle mit, wo äffische Naturen Mit rohem Sang′ und Klingklang′ afterchristisch, Als Lumpenpilgrim, wallen nach Loretto.
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Interpretation
Das Gedicht "An Goethe" von Johann Heinrich Voss ist eine kritische Auseinandersetzung mit Goethes Dichtkunst. Voss wirft Goethe vor, seine künstlerische Freiheit durch die Anpassung an die klassischen Formen der Sonette einzuschränken. Er vergleicht Goethe mit einem Reiter, der sein Pferd, das Symbol für die Dichtkunst, zügelt, um es in die gewünschte Richtung zu lenken. Voss bemängelt, dass Goethe sich in seinen Sonetten zu sehr an die strenge Form hält und dadurch den Geist der Dichtung lähmt. Voss fordert Goethe auf, sich von den alten Troubadour-Formen zu lösen und wieder mehr Freiheit in seiner Dichtung zuzulassen. Er kritisiert die Beschränkung auf Vierzeiler und Dreizeiler, die er als zu starr empfindet. Voss sieht in diesen Formen eine Einschränkung der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und fordert Goethe auf, wieder mehr Raum für die Entfaltung seiner Dichtkunst zu schaffen. Abschließend vergleicht Voss die Anhänger der alten Formen mit "äffischen Naturen", die mit ihrem "rohen Sang" und "Klingklang" nach Loretto pilgern. Dies ist eine Anspielung auf die katholische Wallfahrt nach Loretto und soll die Anhänglichkeit an veraltete Formen und Traditionen kritisieren. Voss fordert Goethe auf, sich von diesen Beschränkungen zu lösen und wieder mehr Freiheit und Originalität in seine Dichtkunst zu bringen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Zum Hemmen niemals, nur zu freier Lenkung
- Anspielung
- Als Lumpenpilgrim, wallen nach Loretto
- Hyperbel
- Den Geist mit Stümmlung lähmend und Verrenkung
- Metapher
- Laß, Freund, die Unform alter Trouvaduren
- Personifikation
- Auch du, der, sinnreich durch Athenes Schenkung