An Georg Herwegh
1842Es scholl dein Lied mir in das Ohr So schwertesscharf, so glockentönig, Als wär′ aus seiner Gruft empor Gewallt ein alter Dichterkönig. Und doch! Ich weis′ es nicht von mir, Ich muß dich in die Schranken laden; Komm an in voller Harnischzier, Auf Tod und Leben Kampf mit dir, Kampf, du Poet von Gottes Gnaden!
Bist du dir selber klar bewußt, Daß deine Lieder Aufruhr läuten; Daß jeglicher nach seiner Brust Das Ärgste mag aus ihnen deuten? Der Zwerg, der matte Pfeile schnitzt, Wohl, - schieß′ er, ohne fest zu zielen; Doch wer vom Wetterlicht umblitzt Im Donnerwagen grollend sitzt, Der soll nicht mit den Zügeln spielen.
Fürwahr, ein Sämann schreitest du, Der Samen streut, doch der Zerstörung; Ein Glöckner, der aus ihrer Ruh′ Die Völker stürmt, doch zur Empörung. Du willst die Flamme, die so rein Und heilig strahlt durch alle Lande, Du willst den warmen Gottesschein Zur Fackel Herostrats entweihn Und schwingst sie wild zum Tempelbrande.
Wozu sonst dieses Schwerterklirrn, Die Kriege, die dein Lied gefodert, Die hast′ge Glut, die durch dein Hirn In tausend Funken prächtig lodert? O nein! Das ist nicht deutsche Art! Wohl kämpfen wir auch für das Neue; Ums Freiheitsbanner dicht geschart, So stehn auch wir; doch aufbewahrt Aus alter Zeit blieb uns die Treue.
Verhaßt auch uns ist der Baschkir, Der Unterjocher der Gedanken, Und keinen Deut begehren wir Von jenen übermüt′gen Franken. Wir wollen auch, daß frei das Wort Durch alle Lüfte möge fluten; Es dünkt auch uns in Süd und Nord Das Wort der beste Freiheitshort - Doch soll darum dein Volk verbluten?
Nein! Glaub′, der Tag ist bald erwacht, Der Morgen naht, wo wir′s erringen, Nicht ohne Kampf, doch ohne Schlacht, Der Geist ist stärker als die Klingen. Geharnischt steht er auf dem Plan, Er, der mit Luthern einst gefochten; Durch tausend Lanzen bricht er Bahn, Und mag die Hölle dräuend nahn: Der Lorbeer bleibt ihm doch geflochten.
Drum tu dein Schwert an seinen Ort, Wie Petrus tat, da er gesündigt; Die Freiheit geht nicht auf aus Mord, Blick nach Paris, das dir′s verkündigt. Vom Geist will sie gewonnen sein; Doch wer ihr Kleid, so rein und heiter Mit blut′gem Makel mag entweihn, Und säng′ er Engelsmelodein: Der ist der Welt, nicht Gottes Streiter.
Ich sing′ um keines Königs Gunst, Es herrscht kein Fürst, wo ich geboren; Ein freier Priester freier Kunst, Hab′ ich der Wahrheit nur geschworen. Die werf′ ich keck dir ins Gesicht, Keck in die Flammen deines Branders; Und ob die Welt den Stab mir bricht: In Gottes Hand ist das Gericht; Gott helfe mir! - Ich kann nicht anders.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An Georg Herwegh" von Emmanuel Geibel ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem politischen Engagement des Dichters Georg Herwegh. Geibel wirft Herwegh vor, mit seinen revolutionären Liedern Aufruhr und Unfrieden zu stiften. Er vergleicht Herwegh mit einem Sämann, der Samen der Zerstörung streut, und einem Glöckner, der die Völker zur Empörung aufstachelt. Geibel warnt davor, dass Herweghs Worte zu blutigen Konflikten führen könnten und dass er damit die Freiheit gefährde. Geibel betont jedoch auch, dass er selbst für Freiheit und gegen Unterdrückung eintritt, aber auf friedlichere Weise. Er glaubt, dass der Geist stärker ist als das Schwert und dass Freiheit nicht durch Mord und Gewalt errungen werden kann. Geibel fordert Herwegh auf, sein Schwert an seinen Ort zu tun und den Weg des Geistes zu wählen. Er betont, dass er als freier Künstler der Wahrheit verpflichtet ist und sich nicht von weltlichen Mächten beeinflussen lässt. Abschließend bekennt sich Geibel zu seiner künstlerischen Integrität und seiner Überzeugung, dass er nur der Wahrheit verpflichtet ist. Er wirft Herwegh vor, mit seinen revolutionären Liedern die Welt in Brand zu setzen und die Freiheit zu gefährden. Geibel betont, dass er sich von keinem König oder Fürsten beeinflussen lässt und dass er nur der Wahrheit verpflichtet ist. Er fordert Herwegh auf, seinen Weg zu überdenken und sich für den friedlichen Kampf um Freiheit einzusetzen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- [So schwertesscharf, so glockentönig Gewallt ein alter Dichterkönig Komm an in voller Harnischzier Auf Tod und Leben Kampf mit dir Kampf, du Poet von Gottes Gnaden Daß deine Lieder Aufruhr läuten Der Zwerg, der matte Pfeile schnitzt Im Donnerwagen grollend sitzt Der soll nicht mit den Zügeln spielen Fürwahr, ein Sämann schreitest du Der Samen streut, doch der Zerstörung Ein Glöckner, der aus ihrer Ruh′ Die Völker stürmt, doch zur Empörung Du willst die Flamme, die so rein Und heilig strahlt durch alle Lande Du willst den warmen Gottesschein Zur Fackel Herostrats entweihn Und schwingst sie wild zum Tempelbrande Wozu sonst dieses Schwerterklirrn Die Kriege, die dein Lied gefodert Die hast′ge Glut, die durch dein Hirn In tausend Funken prächtig lodert O nein! Das ist nicht deutsche Art! Wohl kämpfen wir auch für das Neue Ums Freiheitsbanner dicht geschart So stehn auch wir; doch aufbewahrt Aus alter Zeit blieb uns die Treue Verhaßt auch uns ist der Baschkir Der Unterjocher der Gedanken Und keinen Deut begehren wir Von jenen übermüt′gen Franken Wir wollen auch, daß frei das Wort Durch alle Lüfte möge fluten Es dünkt auch uns in Süd und Nord Das Wort der beste Freiheitshort Doch soll darum dein Volk verbluten Nein! Glaub′, der Tag ist bald erwacht Der Morgen naht, wo wir′s erringen Nicht ohne Kampf, doch ohne Schlacht Der Geist ist stärker als die Klingen Geharnischt steht er auf dem Plan Er, der mit Luthern einst gefochten Durch tausend Lanzen bricht er Bahn Und mag die Hölle dräuend nahn Der Lorbeer bleibt ihm doch geflochten Drum tu dein Schwert an seinen Ort Wie Petrus tat, da er gesündigt Die Freiheit geht nicht auf aus Mord Blick nach Paris, das dir′s verkündigt Vom Geist will sie gewonnen sein Doch wer ihr Kleid, so rein und heiter Mit blut′gem Makel mag entweihn Und säng′ er Engelsmelodein Der ist der Welt, nicht Gottes Streiter Ich sing′ um keines Königs Gunst Es herrscht kein Fürst, wo ich geboren Ein freier Priester freier Kunst Hab′ ich der Wahrheit nur geschworen Die werf′ ich keck dir ins Gesicht Keck in die Flammen deines Branders Und ob die Welt den Stab mir bricht In Gottes Hand ist das Gericht Gott helfe mir! - Ich kann nicht anders]
- Anapher
- [Du willst die Flamme, die so rein Und heilig strahlt durch alle Lande Du willst den warmen Gottesschein Wir wollen auch, daß frei das Wort Durch alle Lüfte möge fluten Es dünkt auch uns in Süd und Nord Das Wort der beste Freiheitshort Nicht ohne Kampf, doch ohne Schlacht Der Geist ist stärker als die Klingen Geharnischt steht er auf dem Plan Er, der mit Luthern einst gefochten Durch tausend Lanzen bricht er Bahn Und mag die Hölle dräuend nahn Der Lorbeer bleibt ihm doch geflochten Ich sing′ um keines Königs Gunst Es herrscht kein Fürst, wo ich geboren Ein freier Priester freier Kunst Hab′ ich der Wahrheit nur geschworen Die werf′ ich keck dir ins Gesicht Keck in die Flammen deines Branders Und ob die Welt den Stab mir bricht]
- Anspielung
- [Wie Petrus tat, da er gesündigt Blick nach Paris, das dir′s verkündigt Er, der mit Luthern einst gefochten Gott helfe mir! - Ich kann nicht anders]
- Hyperbel
- [In tausend Funken prächtig lodert Durch tausend Lanzen bricht er Bahn Und mag die Hölle dräuend nahn Der ist der Welt, nicht Gottes Streiter Ein freier Priester freier Kunst Hab′ ich der Wahrheit nur geschworen Die werf′ ich keck dir ins Gesicht Keck in die Flammen deines Branders Und ob die Welt den Stab mir bricht]
- Metapher
- [Es scholl dein Lied mir in das Ohr So schwertesscharf, so glockentönig Als wär′ aus seiner Gruft empor Gewallt ein alter Dichterkönig Komm an in voller Harnischzier Der Zwerg, der matte Pfeile schnitzt Im Donnerwagen grollend sitzt Fürwahr, ein Sämann schreitest du Ein Glöckner, der aus ihrer Ruh′ Die Völker stürmt Du willst den warmen Gottesschein Zur Fackel Herostrats entweihn Die hast′ge Glut, die durch dein Hirn In tausend Funken prächtig lodert Wir wollen auch, daß frei das Wort Durch alle Lüfte möge fluten Das Wort der beste Freiheitshort Verhaßt auch uns ist der Baschkir Der Unterjocher der Gedanken Und keinen Deut begehren wir Von jenen übermüt′gen Franken Der Morgen naht, wo wir′s erringen Geharnischt steht er auf dem Plan Er, der mit Luthern einst gefochten Durch tausend Lanzen bricht er Bahn Der ist der Welt, nicht Gottes Streiter Ein freier Priester freier Kunst Keck in die Flammen deines Branders]
- Personifikation
- [Das Ärgste mag aus ihnen deuten Der Morgen naht Der Geist ist stärker als die Klingen Der Lorbeer bleibt ihm doch geflochten Die Freiheit geht nicht auf aus Mord Blick nach Paris, das dir′s verkündigt Es dünkt auch uns in Süd und Nord]
- Rhetorische Frage
- [Bist du dir selber klar bewußt, Daß deine Lieder Aufruhr läuten Daß jeglicher nach seiner Brust Das Ärgste mag aus ihnen deuten Wozu sonst dieses Schwerterklirrn Die Kriege, die dein Lied gefodert Die hast′ge Glut, die durch dein Hirn In tausend Funken prächtig lodert O nein! Das ist nicht deutsche Art! Doch soll darum dein Volk verbluten]
- Vergleich
- [So schwertesscharf, so glockentönig Als wär′ aus seiner Gruft empor Gewallt ein alter Dichterkönig]