An Gabriele B.
1883Schenk mir dein Herz für vierzehn Tage, Du weit ausschreitendes Giraffenkind, Auf daß ich ehrlich und wie in den Wind Dir Gutes und Verliebtes sage.
Als ich dich sah, du lange Gabriele, Hat mich ein Loch in deinem Strumpf gerührt, Und ohne daß du’s weißt, hat meine Seele Durch dieses Loch sich bei dir eingeführt. Verjag sie nicht und sage: „Ja!“ Es war so schön, als ich dich sah.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An Gabriele B." von Joachim Ringelnatz handelt von der Sehnsucht nach einer tiefen Verbindung und dem Wunsch, jemandem für eine begrenzte Zeit das Herz zu schenken. Der Sprecher bittet Gabriele, ihm ihr Herz für vierzehn Tage zu geben, um ihr aufrichtige und liebevolle Worte zu sagen. Diese Bitte zeigt den Wunsch nach Intimität und Vertrautheit, aber auch die Begrenztheit dieser Verbindung. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt den Moment, als der Sprecher Gabriele zum ersten Mal sah. Ein kleines Detail, ein Loch in ihrem Strumpf, berührte ihn tief und ließ seine Seele durch dieses Loch zu ihr eindringen. Dieses Bild symbolisiert die unerwartete und unmittelbare Verbindung, die der Sprecher empfand. Er bittet Gabriele, diese Verbindung nicht zu verdrängen und mit "Ja" zu beantworten, da es so schön war, sie zu sehen. Das Gedicht vermittelt eine Mischung aus Sehnsucht, Zärtlichkeit und der Hoffnung auf eine erwiderten Liebe. Der Sprecher scheint bereit zu sein, sich für eine begrenzte Zeit voll und ganz auf Gabriele einzulassen, um ihr seine aufrichtigen Gefühle zu zeigen. Die unkonventionelle Art, wie die Verbindung hergestellt wurde, durch ein kleines Detail wie ein Loch im Strumpf, unterstreicht die Einzigartigkeit und Tiefe dieser Begegnung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Verjag sie nicht und sage: „Ja!“
- Metapher
- Es war so schön, als ich dich sah
- Personifikation
- Als ich dich sah, du lange Gabriele, Hat mich ein Loch in deinem Strumpf gerührt
- Vergleich
- Du weit ausschreitendes Giraffenkind