An Fürstin Amalie von Fürstenberg zum Namenstag

Johann Peter Hebel

1760

Sie hen mer gseit im Dorf, i sott’s nit tue. Sie hen mer gseit: »Es schickt si nit. Sie zürnt’s. Du weisch nit, wie me mit der Fürstin redt in diner guten Einfalt. Blib deheim!« O nei, ‘s isch nit so, edli Fürstefrau! Nei, d’Liebi het e gueti fini Red, und so ne Gmüet wie eueres zürnt ‘s nit. Der sind jo in ganz Fürsteberg so lieb Der wüßet’s nit, der glaubet’s nit, wie lieb. Drum hani denkt, i gang und sageres und bringere mi frumme Segenswunsch und bringere mi treu und dankbar Herz. O Fürstin, euer schöne Name wohnt in alle Herzen, und im Himmel stoht er, denkwohl, au, und isch den Engle lieb. Den Engle gfallt, was frumm und güetig isch und in der Hoheit Demut übt und gern mit Wort und Werk und süßem Blick erfreut. Vergelt’s Gott, was dr tüent und was dr sind. Mehr gilt wohl, was men isch, as was me tut. O Frau, es hen der süße Freude viel im Menscheherze Platz, so eng es isch, im Muetterherze gar. Erfüll Gott euch und eue Her mit Freuden ohni Maß, und heig Gott euch und eui Chindli lieb und schenk em Töchterli der Muetter Gmüet, em junge Herli ‘s Vaters Sinn und Geist! Das isch mis Herze Wunsch zum schöne Tag, zum Name, wo in alle Herze wohnt. O nehmet’s güetig uf.

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Illustration zu An Fürstin Amalie von Fürstenberg zum Namenstag

Interpretation

Das Gedicht "An Fürstin Amalie von Fürstenberg zum Namenstag" von Johann Peter Hebel erzählt von einem Dorfbewohner, der zunächst davon abgeraten wurde, zur Fürstin zu gehen, da man befürchtete, er würde sich ungeschickt ausdrücken. Doch der Sprecher überwindet seine Zweifel und besucht die Fürstin, um ihr seine aufrichtigen Segenswünsche und Dankbarkeit zu überbringen. Er betont, dass die Fürstin und ihre Familie im ganzen Fürstenberg sehr geliebt werden und dass ihre Güte und Demut selbst den Engeln im Himmel gefallen. Der Sprecher wünscht der Fürstin und ihrer Familie göttlichen Segen und Freude, und er hofft, dass Gott ihnen ein tugendhaftes Herz und einen klaren Verstand schenkt. Er betont, dass die Liebe und Freude, die die Fürstin in den Herzen der Menschen findet, wichtiger sind als ihre Taten. Das Gedicht endet mit der Bitte an die Fürstin, die aufrichtigen Wünsche des Sprechers wohlwollend anzunehmen.

Schlüsselwörter

nit isch lieb hen gott mer gseit zürnt

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
O Frau, es hen der süße Freude viel
Apostrophe
O Frau, es hen der süße Freude viel
Hyperbel
O Fürstin, euer schöne Name wohnt in alle Herzen
Metapher
Die Liebe hat eine gute feine Rede
Parallelismus
und schenk em Töchterli der Muetter Gmüet, em junge Herli ‘s Vaters Sinn und Geist!
Personifikation
Die Liebe hat eine gute feine Rede
Rhetorische Frage
Der wüßtet’s nit, der glaubet’s nit, wie lieb.