An Freund La Roche
1813nachdem er an zwei aufeinander folgenden Tagen der Gefahr, im See zu ertrinken und im Bade erschlagen zu werden, glücklich entgangen war:
Zu welchen ungeheuren Dingen Hat dich der Himmel noch ersehn? Wie weit sollst du′s auf Erden bringen? Das ist seit Cäsar nicht geschehn!
An zwei von deinen Julitagen In alleräußerster Gefahr, Und dennoch nichts davongetragen, Das ist noch mehr als wunderbar.
Gewiß schwebt irgendeine Krone Schon funkelnd über deinem Haupt. Der Kaiser fehlt dem deutschen Throne, Der Papst ward jüngst schon totgeglaubt.
So halte dich der Wahl gewärtig, Daß du der Völker Sehnen stillst; Nur werde mit dir selbst erst fertig: Ob Papst, ob Kaiser, was du willst.
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Interpretation
Das Gedicht "An Freund La Roche" von Friedrich Hebbel ist eine humorvolle und zugleich tiefgründige Reflexion über das Leben und die Bestimmung des Menschen. Hebbel nimmt Bezug auf zwei knapp verhinderte Gefahrensituationen seines Freundes La Roche und deutet diese als Zeichen einer besonderen Bestimmung. Die Ironie und der Witz des Gedichts liegen in der Übertreibung der Bedeutung dieser Ereignisse, die Hebbel als Vorzeichen für eine außergewöhnliche Zukunft seines Freundes deutet. Im ersten Teil des Gedichts fragt Hebbel, welche "ungeheuerlichen Dinge" der Himmel für La Roche noch bereithält und wie weit er es auf Erden bringen wird. Diese Frage wird mit einem Verweis auf Cäsar beantwortet, was darauf hindeutet, dass La Roche eine ähnlich bedeutende Rolle in der Geschichte spielen könnte. Die Erwähnung der beiden "Julitage" und der darin erlebten Gefahr wird als "mehr als wunderbar" beschrieben, was die besondere Natur dieser Ereignisse unterstreicht. Im zweiten Teil deutet Hebbel an, dass La Roche eine "Krone" schwebt, was auf eine mögliche Führungsrolle oder eine bedeutende Position in der Gesellschaft hindeutet. Die Erwähnung des "deutschen Throns" und des "Papstes" impliziert, dass La Roche in eine Position der Macht und des Einflusses aufsteigen könnte. Hebbel fordert seinen Freund auf, sich auf eine Wahl vorzubereiten und die Sehnsüchte der Völker zu stillen, was auf eine mögliche politische oder religiöse Rolle hindeutet. Das Gedicht endet mit einer Aufforderung an La Roche, sich selbst zu finden und zu entscheiden, ob er Papst oder Kaiser werden möchte. Diese letzte Zeile unterstreicht die Idee, dass La Roche die Wahl hat, seinen eigenen Weg zu gehen und seine Bestimmung selbst zu bestimmen. Insgesamt ist das Gedicht eine humorvolle und zugleich nachdenkliche Betrachtung über das Leben, die Bestimmung und die Möglichkeiten, die jedem Menschen offenstehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Allusion
- Der Kaiser fehlt dem deutschen Throne, / Der Papst ward jüngst schon totgeglaubt.
- Aufforderung
- So halte dich der Wahl gewärtig, / Daß du der Völker Sehnen stillst;
- Frage
- Zu welchen ungeheuren Dingen / Hat dich der Himmel noch ersehn?
- Hyperbel
- Das ist seit Cäsar nicht geschehn!
- Kontrast
- An zwei von deinen Julitagen / In alleräußerster Gefahr, / Und dennoch nichts davongetragen, / Das ist noch mehr als wunderbar.
- Metapher
- Gewiß schwebt irgendeine Krone / Schon funkelnd über deinem Haupt.
- Rhetorische Frage
- Ob Papst, ob Kaiser, was du willst.