An Frau Rebekka
1797Ich habe Dich geliebet und ich will Dich lieben, Solang’ Du goldner Engel bist; In diesem wüsten Lande hier, und drüben Im Lande wo es besser ist.
Ich will nicht von Dir sagen, will nicht von Dir singen; Was soll uns Loblied und Gedicht? Doch muß ich heut der Wahrheit Zeugnis bringen, Denn unerkenntlich bin ich nicht.
Ich danke Dir mein Wohl, mein Glück in diesem Leben. Ich war wohl klug, daß ich Dich fand; Doch ich fand nicht. GOTT hat Dich mir gegeben; So segnet keine andre Hand.
Sein Tun ist je und je großmütig und verborgen; Und darum hoff’ ich, fromm und blind, Er werde auch für unsre Kinder sorgen, Die unser Schatz und Reichtum sind.
Und werde sie regieren, werde für sie wachen, Sie an sich halten Tag und Nacht, Daß sie wert werden, und auch glücklich machen, Wie ihre Mutter glücklich macht.
Uns hat gewogt die Freude, wie es wogt und flutet Im Meer, so weit und breit und hoch! – Doch, manchmal auch hat uns das Herz geblutet, Geblutet… Ach, und blutet noch.
Es gibt in dieser Welt nicht lauter gute Tage, Wir kommen hier zu leiden her; Und jeder Mensch hat seine eigne Plage, Und noch sein heimlichCrève-cœur
.
Heut aber schlag ich aus dem Sinn mir alles Trübe, Vergesse allen meinen Schmerz; Und drücke fröhlich Dich, mit voller Liebe, Vor Gottes Antlitz an mein Herz.
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Interpretation
Das Gedicht "An Frau Rebekka" von Matthias Claudius ist eine Liebeserklärung an die Ehefrau des Dichters, in der er seine tiefe Zuneigung und Dankbarkeit ausdrückt. Claudius betont, dass seine Liebe zu seiner Frau zeitlos und unerschütterlich ist, sowohl in der gegenwärtigen Welt als auch im Jenseits. Er vermeidet es, sie zu lobpreisen oder zu verherrlichen, da er der Meinung ist, dass solche Lobpreisungen unnötig sind. Dennoch fühlt er sich verpflichtet, die Wahrheit über seine Gefühle zu bekennen, da er nicht undankbar sein möchte. In den folgenden Strophen dankt Claudius seiner Frau für sein Wohlergehen und sein Glück im Leben. Er erkennt an, dass er zwar klug genug war, sie zu finden, aber letztendlich war es Gott, der sie ihm gegeben hat. Claudius drückt seine Hoffnung aus, dass Gott auch für ihre Kinder sorgen wird, sie beschützen und zu würdigen Menschen machen wird, wie ihre Mutter es getan hat. Er erkennt an, dass das Leben nicht nur aus guten Tagen besteht und dass jeder Mensch seine eigenen Sorgen und Probleme hat. Trotzdem beschließt er, an diesem Tag alle traurigen Gedanken beiseitezuschieben und seine Frau mit voller Liebe in den Armen zu halten, vor Gottes Antlitz. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit gegenüber der Ehefrau des Dichters. Es drückt die Hoffnung aus, dass Gott auch in Zukunft für ihre Familie sorgen wird und dass die Liebe zwischen den Ehepartnern trotz aller Höhen und Tiefen des Lebens bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Geblutet... Ach, und blutet noch
- Allusion
- Crève-cœur
- Hyperbel
- Sein Tun ist je und je großmütig und verborgen
- Kontrast
- Heut aber schlag ich aus dem Sinn mir alles Trübe
- Metapher
- Vor Gottes Antlitz an mein Herz
- Personifikation
- Sein Tun ist je und je großmütig und verborgen
- Rhetorische Frage
- Was soll uns Loblied und Gedicht?
- Vergleich
- Wie es wogt und flutet Im Meer, so weit und breit und hoch