An Franz den Ersten, Kaiser von Österreich

Heinrich von Kleist

1811

O Herr, du trittst, der Welt ein Retter, Dem Mordgeist in die Bahn; Und wie der Sohn der duftgen Erde Nur sank, damit er stärker werde, Fällst du von neu′m ihn an!

Das kommt aus keines Menschen Busen, Auch aus dem deinen nicht; Das hat dem ewgen Licht entsprossen, Ein Gott dir in die Brust gegossen, Den unsre Not besticht.

O sei getrost; in Klüften irgend, Wächst dir ein Marmelstein; Und müßtest du im Kampf auch enden, So wirds ein anderer vollenden, Und dein der Lorbeer sein!

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Illustration zu An Franz den Ersten, Kaiser von Österreich

Interpretation

Das Gedicht "An Franz den Ersten, Kaiser von Österreich" von Heinrich von Kleist ist eine Lobpreisung und Ermutigung an den österreichischen Kaiser Franz I. Es beginnt mit einer metaphorischen Beschreibung, in der der Kaiser als Retter der Welt dargestellt wird, der sich dem "Mordgeist" entgegenstellt. Diese Metapher deutet auf die Herausforderungen und Gefahren hin, denen sich der Kaiser gegenübersieht, und vergleicht sie mit dem Fall des "Sohnes der duftgen Erde", was auf Jesus Christus anspielt, der für die Menschheit litt und starb, um stärker zu werden. Der zweite Vers stellt klar, dass die Stärke und der Mut des Kaisers nicht aus menschlichen Quellen stammen, sondern göttlichen Ursprungs sind. Das "ewge Licht" und der "Gott" in seiner Brust symbolisieren eine höhere Macht, die ihn inspiriert und leitet. Die "Not" der Menschen hat diesen Gott in seine Brust "bestochen", was darauf hindeutet, dass der Kaiser durch das Leid und die Not seiner Untertanen motiviert ist, zu handeln und zu kämpfen. Im letzten Vers ermutigt der Dichter den Kaiser, mutig zu bleiben und sich auf die Zukunft zu freuen. Die Metapher des "Marmelsteins", der in den "Klüften" wächst, symbolisiert Hoffnung und Beständigkeit, selbst in den dunkelsten Zeiten. Der Dichter versichert dem Kaiser, dass selbst wenn er im Kampf fallen sollte, ein anderer seinen Kampf fortsetzen wird, und dass der Lorbeer, ein Symbol des Sieges und der Ehre, ihm gehören wird. Dies unterstreicht die Idee der Unsterblichkeit des Kaisers durch seine Taten und den fortwährenden Kampf für das Wohl seines Volkes.

Schlüsselwörter

herr trittst welt retter mordgeist bahn sohn duftgen

Wortwolke

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Stilmittel

Allusion
Und wie der Sohn der duftgen Erde Nur sank, damit er stärker werde
Apostrophe
O Herr, du trittst, der Welt ein Retter
Hyperbel
Und müßtest du im Kampf auch enden
Metapher
in Klüften irgend, Wächst dir ein Marmelstein
Personifikation
Das hat dem ewgen Licht entsprossen
Symbol
der Lorbeer sein