An Fr. T.
Mit des Auges hellem Strahle
Schickst du Gaben frisch und blank,
Sendest mir in edler Schale
Unverdienten Blumendank.
Nicht so arm sind doch wir Alten!
Nach des Lebens hartem Strauß
Fällt uns durch der Anmuth Walten
Noch ein Röslein in das Haus.
Das erquickt! – Ach, unsre Würde
Ist zur Hälfte Lug und Trug
Und sie trägt sich schwer, die Bürde:
Alt und noch nicht alt genug.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „An Fr. T.“ von Friedrich Theodor Vischer ist ein liebevolles Dankesgedicht, das die jugendliche Frische und Großzügigkeit der angesprochenen Person, vermutlich eine jüngere Frau, mit der Erfahrung und dem Lebensgefühl eines älteren Mannes vergleicht. Die ersten vier Verse beschreiben die Freude über die Geschenke, die die junge Frau dem Dichter zukommen lässt – „Gaben frisch und blank“ und „unverdienten Blumendank“. Diese Gaben werden als Ausdruck der jugendlichen Vitalität und Großzügigkeit wahrgenommen, die das Leben des Dichters bereichern.
In den folgenden vier Versen findet eine Wendung statt. Der Dichter reflektiert über das Alter und die Erfahrung. Er betont, dass er, trotz seines fortgeschrittenen Alters, auch „Alte“ nicht arm sind, da auch in ihrem Leben Momente der Freude und des Glücks existieren. Die „Anmuth“ der jungen Frau lässt ein „Röslein in das Haus“ fallen, eine Metapher für die Freude und die Anerkennung, die der Dichter durch ihre Gaben erfährt. Dies deutet auf eine tiefe Wertschätzung und Dankbarkeit für die Aufmerksamkeit der jungen Frau hin, die dem älteren Mann eine neue Perspektive auf das Leben eröffnet.
Die letzten vier Verse offenbaren eine tiefere Reflexion über die menschliche Existenz. Der Dichter gesteht, dass die „Würde“ der Alten oft nur „Lug und Trug“ ist, ein Ausdruck der Selbstzweifel, der auf die Illusionen und Täuschungen anspielt, die mit dem Älterwerden einhergehen können. Die Zeile „Und sie trägt sich schwer, die Bürde: Alt und noch nicht alt genug“ drückt die Ambivalenz des Alters aus – das Gefühl, sowohl zu alt für bestimmte Dinge zu sein als auch noch nicht bereit, die endgültige Bilanz zu ziehen.
Insgesamt ist das Gedicht eine melancholische, aber liebevolle Auseinandersetzung mit dem Alter und der Jugend. Vischer verbindet die Wertschätzung für die jugendliche Großzügigkeit mit einer ehrlichen Betrachtung der eigenen Lebensphase. Das Gedicht ist somit nicht nur ein Dankesschreiben, sondern auch eine Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Suche nach Sinn und Freude in jeder Lebensphase.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.