An Fr. T.

Friedrich Theodor Vischer

1807

Mit des Auges hellem Strahle Schickst du Gaben frisch und blank, Sendest mir in edler Schale Unverdienten Blumendank.

Nicht so arm sind doch wir Alten! Nach des Lebens hartem Strauß Fällt uns durch der Anmuth Walten Noch ein Röslein in das Haus.

Das erquickt! – Ach, unsre Würde Ist zur Hälfte Lug und Trug Und sie trägt sich schwer, die Bürde: Alt und noch nicht alt genug.

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Illustration zu An Fr. T.

Interpretation

Das Gedicht "An Fr. T." von Friedrich Theodor Vischer beschreibt die dankbare und zugleich bescheidene Reaktion des lyrischen Ichs auf eine Geste der Anerkennung und Zuneigung. Mit den "Gaben frisch und blank" und dem "Blumendank" in einer "edlen Schale" wird ein Geschenk oder eine Aufmerksamkeit angesprochen, die dem Empfänger unerwartet und unverdient zuteilwird. Das "helle Strahle" des Auges deutet auf die offene, freundliche Art der Schenkenden hin, die mit ihrem Blick bereits die Gabe übermittelt. Das lyrische Ich reflektiert anschließend über das Alter und die damit verbundene Wahrnehmung von Lebenshärte. Der "harte Strauß" des Lebens wird durch die "Anmuth" – also die Freundlichkeit und Zärtlichkeit der Schenkenden – gemildert, sodass selbst im Alter noch ein "Röslein" ins Haus fallen kann. Dieses Bild symbolisiert die kleinen Freuden und Aufmerksamkeiten, die den Alltag erhellen und Kraft spenden. Die Freude darüber ist spürbar, doch sie wird von einem Hauch von Selbstironie begleitet. Im letzten Vers wird die Ambivalenz des Alters deutlich: Die "Würde" des Älterwerdens erscheint als "Lug und Trug", also als etwas Unechtes oder Belastendes. Die "Bürde" des Alters wird als schwer empfunden, da man weder ganz jung noch wirklich alt ist. Das Gedicht endet mit einer resignierten, aber auch humorvollen Einsicht in die eigene Situation – man ist "noch nicht alt genug", um sich dem Alter ganz hinzugeben, und doch zu alt, um sich vollständig jung zu fühlen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildlichkeit
in edler Schale
Hyperbel
Noch ein Röslein in das Haus
Ironie
Ist zur Hälfte Lug und Trug
Kontrast
Alt und noch nicht alt genug
Metapher
Mit des Auges hellem Strahle
Personifikation
durch der Anmuth Walten
Symbolik
Nicht so arm sind doch wir Alten