An Flavien, als sie kranck war

Benjamin Neukirch

1727

Man klaget/ Flavia! daß ich dir weh gethan/ Und redet öffentlich/ du werdest bald verscheiden/ Du selber zeigest es durch deine schwachheit an; So dencke nun/ was ich muß in der seele leiden. Ich komme/ liebes kind/ mir als ein teuffel für/ Und bin so mir als dir zu einem hencker worden. Dann alle meine lust bestehet bloß in dir/ Und darumb kan ich dich nicht ohne mich ermorden. O himmel! wende doch die schulden von mir ab/ Hilff meiner Flavia/ und lege mich ins grab!

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Illustration zu An Flavien, als sie kranck war

Interpretation

Das Gedicht "An Flavien, als sie kranck war" von Benjamin Neukirch handelt von der tiefen Sorge und dem seelischen Schmerz des Sprechers um seine kranke Geliebte Flavia. Die äußere Wahrnehmung, dass der Sprecher Flavia wehgetan habe und sie bald sterben werde, wird durch Flavias eigene Schwäche bestätigt. Der Sprecher leidet unter dieser Situation, da er Flavia als seine einzige Quelle der Freude betrachtet und es ihm daher unmöglich erscheint, ohne sie weiterzuleben. Er fühlt sich wie ein Teufel oder Henker, da er der Grund für ihr Leiden zu sein scheint. Der Sprecher beschreibt seine Liebe zu Flavia als seine gesamte Lebensfreude, die nun durch ihre Krankheit bedroht ist. Er kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen und sieht sich selbst als Mörderin, da er ohne sie nicht existieren kann. Diese paradoxe Situation, in der die Liebe zum eigenen Untergang führt, verdeutlicht die Intensität der Gefühle des Sprechers. Im letzten Vers fleht der Sprecher den Himmel an, die Schuld von ihm abzuwenden und stattdessen Flavia zu helfen oder ihn selbst ins Grab zu legen. Dies zeigt die Selbstaufopferung und die tiefe Verbundenheit des Sprechers mit Flavia. Er ist bereit, für ihr Wohl sein eigenes Leben zu opfern, was die bedingungslose Natur seiner Liebe unterstreicht. Das Gedicht endet mit einem Appell an eine höhere Macht, was die Hoffnung auf Erlösung oder ein Wunder zum Ausdruck bringt.

Schlüsselwörter

flavia klaget weh gethan redet öffentlich werdest bald

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Man klaget/ Flavia! daß ich dir weh gethan/ Und redet öffentlich/ du werdest bald verscheiden
Hyperbel
Und bin so mir als dir zu einem hencker worden
Kontrast
Dann alle meine lust bestehet bloß in dir/ Und darumb kan ich dich nicht ohne mich ermorden
Metapher
Ich komme/ liebes kind/ mir als ein teuffel für
Personifikation
O himmel! wende doch die schulden von mir ab
Rhetorische Frage
So dencke nun/ was ich muß in der seele leiden