An Fatima

Friedrich von Bodenstedt

1819

O Mädchen, dein beseligend Angesicht Übt größere Wunder als das Sonnenlicht! Die Sonne kann uns nicht mit Glut erfüllen, Wenn Nacht und Wolken ihren Glanz verhüllen, Sie muß in ganzer Majestät sich zeigen, In uns die Glut zu wecken, die ihr eigen.

Dich aber, Mädchen, brauch′ ich nicht zu sehn, Um ganz in Glut und Wonne zu vergehn: So strahlend lebt dein Bild in meinem Innern, Ich brauche bloß mich deiner zu erinnern.

Ich glühe für dich - aber kalt bleibst du, Und selber ruhig, - raubst du meine Ruh.

Oh, fühle selbst die Glut, die du entfachst, Sei selbst so glücklich, wie du glücklich machst!

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Illustration zu An Fatima

Interpretation

Das Gedicht "An Fatima" von Friedrich von Bodenstedt ist ein leidenschaftliches Liebesgedicht, das die überwältigende Wirkung der Geliebten auf den lyrischen Ich beschreibt. Der Sprecher vergleicht die Schönheit des Mädchens Fatima mit der der Sonne und behauptet, dass ihr Anblick eine noch größere Wirkung auf ihn hat. Während die Sonne ihre Kraft nur entfalten kann, wenn sie ungehindert scheint, genügt dem Sprecher schon die Erinnerung an Fatimas Bild, um in Flammen der Liebe zu stehen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die einseitige Natur dieser Liebe deutlich. Obwohl der Sprecher vor Leidenschaft für Fatima glüht, bleibt sie kalt und unberührt. Ihre bloße Anwesenheit raubt ihm den Frieden und die Ruhe, doch sie selbst fühlt nicht die Glut, die sie in ihm entfacht hat. Der Sprecher wünscht sich, dass Fatima selbst die Intensität seiner Gefühle erfährt und ebenso glücklich wird, wie sie ihn durch ihre bloße Existenz macht. Das Gedicht ist geprägt von einer starken Emotionalität und einem tiefen Gefühl der Sehnsucht. Bodenstedt verwendet eindrucksvolle Bilder und Metaphern, um die Intensität der Liebe des Sprechers zu beschreiben. Die Gegenüberstellung von Hitze und Kälte, Glut und Ruhe unterstreicht die Diskrepanz zwischen den Gefühlen des lyrischen Ichs und der Gleichgültigkeit der Geliebten. Letztendlich ist das Gedicht ein Ausdruck der unerfüllten Liebe und des Schmerzes, der durch die Unerreichbarkeit der Angebeteten entsteht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
So strahlend lebt dein Bild in meinem Innern, ich brauche bloß mich deiner zu erinnern
Apostrophe
O Mädchen, dein beseligend Angesicht
Bildsprache
In uns die Glut zu wecken, die ihr eigen
Hyperbel
O Mädchen, dein beseligend Angesicht übt größere Wunder als das Sonnenlicht!
Kontrast
Ich glühe für dich - aber kalt bleibst du
Metapher
Die Sonne kann uns nicht mit Glut erfüllen, wenn Nacht und Wolken ihren Glanz verhüllen
Parallelismus
Oh, fühle selbst die Glut, die du entfachst, sei selbst so glücklich, wie du glücklich machst
Personifikation
Die Sonne kann uns nicht mit Glut erfüllen