An Fanny

Friedrich Gottlieb Klopstock

1782

Wenn einst ich todt hin, wenn mein Gebein zu Staub′ Ist eingesunken, wenn du, mein Auge, nun Lang′ über meines Lebens Schicksal, Brechend im Tode, nun ausgeweint hast,

Und stillanbetend da, wo die Zukunft ist, Nicht mehr hinauf blickst, wenn mein ersungner Ruhm, Die Frucht von meiner Jünglingsthräne, Und von der Liebe zu dir, Messias!

Nun auch verweht ist, oder von wenigen In jene Welt hinüber gerettet ward: Wenn du alsdann auch, meine Fanny, Lange schon todt bist, und deines Auges

Stillheitres Lächeln, und sein beseelter Blick Auch ist verloschen, wenn du, vom Volke nicht Bemerket, deines ganzen Lebens Edlere Thaten nunmehr gethan hast,

Des Nachruhms werther, als ein unsterblich Lied, Ach wenn du dann auch einen beglückteren Als mich geliebt hast, lass den Stolz mir, Einen Beglückteren, doch nicht edlern!

Dann wird ein Tag seyn, den werd ich auferstehn! Dann wird ein Tag seyn, den wirst du auferstehn! Dann trennt kein Schicksal mehr die Seelen, Die du einander, Natur, bestimtest.

Dann wägt, die Wagschaal in der gehobnen Hand, Gott Glück und Tugend gegen einander gleich; Was in der Dinge Lauf jetzt misklingt, Tönet in ewigen Harmonicen!

Wenn dann du dastehst jugendlich auferweckt, Dann eil′ ich zu dir! säume nicht, bis mich erst Ein Seraph bey der rechten fasse, Und mich, Unsterbliche, zu dir führe.

Dann soll dein Bruder, innig von mir umarmt, Zu dir auch eilen! dann will ich thränenvoll, Voll froher Thränen jenes Lebens Neben dir stehn, dich mit Namen nennen,

Und dich umarmen! Dann, o Unsterblichkeit, Gehörst du ganz uns! Komt, die das Lied nicht singt, Komt, unaussprechlich süsse Freuden! So unaussprechlich, als jetzt mein Schmerz ist.

Rinn unterdess, o Leben. Sie komt gewiss Die Stunde, die uns nach der Zypresse ruft! Ihr andern, seyd der schwermuthsvollen Liebe geweiht! und umwölkt und dunkel!

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Illustration zu An Fanny

Interpretation

Das Gedicht "An Fanny" von Friedrich Gottlieb Klopstock thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens und die Hoffnung auf ein Wiedersehen im Jenseits. Klopstock reflektiert über den Tod, die Auflösung des eigenen Seins und das Vergessenwerden durch die Nachwelt. Trotzdem findet er Trost in der Vorstellung einer ewigen Liebe, die den Tod überdauert und in der Auferstehung erneuert wird. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich Klopstock direkt an seine Geliebte Fanny. Er imaginiert, wie sie beide nach dem Tod auferstehen und sich wiederfinden werden. Die Trennung durch das Schicksal wird aufgehoben, und sie werden in ewiger Harmonie vereint sein. Die Liebe wird hier als etwas Göttliches dargestellt, das über den Tod hinaus Bestand hat. Der letzte Abschnitt des Gedichts ist ein Aufruf an das Leben, weiterzugehen, bis die Stunde der Vereinigung im Jenseits gekommen ist. Klopstock richtet sich an die anderen, die nicht das Lied der Liebe singen, und fordert sie auf, sich der schweren und düsteren Liebe zu widmen. Das Gedicht endet mit einer düsteren und nachdenklichen Stimmung, die die Tragik der menschlichen Existenz unterstreicht.

Schlüsselwörter

lebens hast komt todt schicksal mehr liebe lied

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Dann wird ein Tag seyn, den werd ich auferstehn!
Anapher
Wenn einst ich todt hin, wenn mein Gebein zu Staub′ Ist eingesunken, wenn du, mein Auge, nun Lang′ über meines Lebens Schicksal, Brechend im Tode, nun ausgeweint hast,
Hyperbel
So unaussprechlich, als jetzt mein Schmerz ist
Metapher
Gehörst du ganz uns!
Parallelismus
Dann wird ein Tag seyn, den werd ich auferstehn! Dann wird ein Tag seyn, den wirst du auferstehn!
Personifikation
Die Frucht von meiner Jünglingsthräne, Und von der Liebe zu dir, Messias!
Symbolik
Zypresse ruft