An F.L.

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Ein sanfter Friedensodem haucht mich an, Wenn ich dein Haus, o frommer Greis, betrete, Als ob mir milde Luft entgegenwehte Vom Hirtenlande Kanaan.

Wer gab dir Macht, dir im Gewühl der Welt Die tiefe Seelenstille zu bewahren, Wie einer, der seit seiner Kindheit Jahren Geruht im Patriarchenzelt?

Ob rings die Erde von der Völker Streit Erzitterte und von der Reiche Fallen: Nicht eine Stunde trübte bei dem allen Sich deiner Seele Heiterkeit.

Der Mitwelt fern und dem, was sie erstrebt, Hast du mit jenen, welche nie veralten, Der Vorzeit großen, heiligen Gestalten, Einfach und schlicht wie sie gelebt;

Und während Zielen nach, die keiner kennt, Wir ruhlos hasteten auf irren Pfaden, Warst du im Geist bei friedlichen Nomaden Im ewig hellen Orient.

Dort zogst du mit dem Karawanenzug Hin über glüh′nde Fläche, nackte Kuppe, Und mittags tränkte bei der Palmengruppe Rebekka dich aus ihrem Krug.

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Illustration zu An F.L.

Interpretation

Das Gedicht "An F.L." von Adolf Friedrich Graf von Schack ist eine Hommage an eine Person, die den Dichter tief beeindruckt hat. Der Titel deutet auf eine Widmung an eine Person mit den Initialen F.L. hin. Das Gedicht beschreibt die Ruhe und Gelassenheit, die der Dichter empfindet, wenn er das Haus des Angesprochenen betritt. Es vergleicht die Atmosphäre mit der milden Luft vom Hirtenland Kanaan, was auf eine biblische oder spirituelle Verbindung hindeutet. Der Dichter bewundert die Fähigkeit des Angesprochenen, trotz des Trubels der Welt eine tiefe Seelenruhe zu bewahren. Er vergleicht ihn mit einem Patriarchen, der seit seiner Kindheit in einem Zelt gelebt hat, was auf ein einfaches, ungestörtes Leben hindeutet. Das Gedicht betont, dass der Angesprochene auch in Zeiten von Völkergemein und dem Fall von Reichen seine Heiterkeit bewahrt hat. Der Dichter stellt den Angesprochenen als jemanden dar, der fern von der Welt und ihren Bestrebungen gelebt hat, ähnlich wie die unvergänglichen Gestalten der Vorzeit. Während andere rastlos nach unbekannten Zielen streben, hat der Angesprochene seinen Geist bei friedlichen Nomaden im hellen Orient verbracht. Das Gedicht endet mit einer lebendigen Szene, in der der Angesprochene mit einem Karawanenzug durch die Wüste zieht und von Rebekka an einer Palmenoase aus ihrem Krug getränkt wird. Dies unterstreicht die Verbindung zu biblischen Zeiten und das einfache, naturverbundene Leben des Angesprochenen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Rebekka dich aus ihrem Krug
Bildsprache
Dort zogst du mit dem Karawanenzug hin über glüh′nde Fläche, nackte Kuppe
Hyperbel
Nicht eine Stunde trübte bei dem allen sich deiner Seele Heiterkeit
Metapher
Ein sanfter Friedensodem haucht mich an
Personifikation
Der Mitwelt fern und dem, was sie erstrebt
Symbolik
Der Vorzeit großen, heiligen Gestalten
Vergleich
Als ob mir milde Luft entgegenwehte